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Politik Inland
05/08/2019

Auch die Kirchen kämpfen für den Klimaschutz

Klimawandel schon wichtigeres Thema als Migration: Künftiger evangelischer Bischof will Kirche als Vorbild

von Wolfgang Zaunbauer

Migration war das politische Thema der vergangenen vier Jahre. Und auch im laufenden EU-Wahlkampf setzen ÖVP und FPÖ ganz darauf – und damit möglicherweise auf das falsche Pferd. Denn laut einer aktuellen Eurobarometer-Umfrage werden Migration und Terrorismus für die Wähler immer unwichtiger, während Klimawandel und Umweltschutz an Bedeutung gewinnen.

Auch der am Samstag gewählte künftige evangelische Bischof Michael Chalupka wird in seiner Amtszeit einen Schwerpunkt auf das Thema Umwelt legen, wie er im Gespräch mit dem KURIER ankündigt. „Wir können gar nicht anders. Es geht um die Bewahrung der Schöpfung.“

Dabei seien die nächsten zwölf Jahre entscheidend: Wenn bis dahin der -Ausstoß nicht deutlich reduziert werde, entstünden „unumkehrbare Dynamiken“. Chalupka will jedoch nicht bloß als Mahner mit erhobenem Zeigefinger auftreten, sondern mit der Kirche als gutes Beispiel vorangehen: „Dabei müssen wir bei uns selbst beginnen: Bei unseren Gebäuden, unserer Mobilität. Nur dann können wir das auch glaubwürdig predigen.“ Und nur dann werde es gelingen, „die Erde für unsere Enkel zu bewahren“.

Ethische Geldanlagen

Nicht nur die evangelische Kirche verschreibt sich dem Klimaschutz. Auch die katholische hat das Thema seit geraumer Zeit auf dem Tisch. Schon Papst Benedikt XVI. erklärte, Gott habe die Menschen nicht bestellt, die Erde auszubeuten, sondern um Hüter dieses kostbaren Gutes zu sein.

Papst Franziskus widmete dem Klimaschutz mit „Laudato Si“ eine eigene Enzyklika, in der er eine „ökologische Umkehr“ einfordert, die am persönlichen Lebensstil eines jeden ansetzt. In der Folge haben die österreichischen Bischöfe Klimaschutz-Projekte in den Diözesen gestartet, die etwa auf eine Reduktion des Energiebedarfs in den kirchlichen Einrichtungen und einen Umstieg auf erneuerbare Energien abzielen.

Darüber hinaus wurden Richtlinien für „ethische Geldanlagen“ beschlossen: So sind Investments in Kohleförderung und Fracking (Ölförderung) untersagt. In den kommenden fünf Jahren sollen auch sämtliche Geldveranlagungen in Unternehmen abgestoßen werden, die fossile Brennstoffe (Kohle, Erdöl, Erdgas) fördern oder produzieren. Für die Überwachung der Einhaltung sorgt eine eigene Kommission.

Mit der Wahl Chalupkas wird sich auch die evangelisch-lutherische Kirche in Österreich vermehrt dem Klimaschutz verschreiben.

Karfreitag neu bereden

Weiter ein Thema für die evangelische Kirche bleibt der Karfreitag. Nach einem Urteil des EuGH hat die Bundesregierung den Feiertag für Protestanten gestrichen. Ein Beschluss, den Chalupka so nicht stehen lassen will. Er will Neuverhandlungen.

„Es gab immer eine gute Gesprächsbasis mit der Bundesregierung“, sagt der frühere Diakonie-Direktor. Die Karfreitagsregelung habe jedoch zu einem enormen Vertrauensverlust geführt. „Jetzt wird es Zeit, nochmals darüber zu reden. Ich halte es jedenfalls nicht für klug, das den Höchstgerichten zu überlassen und die Sozialpartner nicht einzubinden“, sagt Chalupka.