Politik | Inland
15.09.2018

Asselborn nach Video-Eklat in Wien: Von Salvini in Falle gelockt

Der luxemburgische Außenminister erhebt nach Streit bei EU-Gipfel schwere Vorwürfe gegen den italienischen Innenminister.

War es eine bewusste Provokation? Eine von langer Hand geplante Falle des Matteo Salvini? Seit Freitagabend berichten zahlreiche Medien über einen Eklat beim EU-Afrika-Gipfel in Wien: Nachdem Italiens Rechtsaußen-Minister Matteo Salvini Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn frontal angegriffen hatte, antwortete Asselborn extrem emotional und warf fluchend seine Kopfhörer auf den Tisch.

Salvini hatte am Freitagabend auf Facebook und Twitter ein Video des Wortgefechts veröffentlicht. Darin ist zu sehen, wie der luxemburgische Minister - der auch für Einwanderung und Asyl verantwortlich ist - verärgert auf Salvinis Ausführungen zur Migration reagiert und seinen italienischen Kollegen scharf zurechtweist. Zum Schluss rief Asselborn: "Merde alors" ("Scheiße nochmal").

Asselborn kritisierte, dass das Video ohne sein Wissen aufgenommen worden sei. Er warf Salvini vor, von diesem bewusst provoziert worden zu sein. Er vermute, von Salvini gezielt in eine Falle gelockt worden zu sein. "Das war eine genau kalkulierte Provokation", sagte der Minister am Samstag dem Spiegel.

Asselborn: "Nie wieder ehrliche Diskussion"

Zudem habe es sich in diesem Fall nicht um irgendein Gespräch gehandelt. Wenn man künftig befürchten müsse, dass Treffen von EU-Ministern oder womöglich sogar von den Staats-und Regierungschefs heimlich mitgeschnitten würden, "dann kann dort nie wieder eine ehrliche Diskussion stattfinden".

Zudem sei der Videomitschnitt kein Einzelfall. Salvinis Leute "filmen systematisch alles, was Salvini sagt", und würden dazu in Sitzungssälen strategische Positionen einnehmen, so Asselborn. Allerdings habe er im aktuellen Fall von der Aufzeichnung nichts mitbekommen.

Die entsprechende Passage sehen Sie in diesem Video:

Er nehme auch nichts zurück, wie etwa den Hinweis darauf, dass legale Migration für das alternde Europa notwendig sei oder dass Zehntausende Italiener zum Arbeiten nach Luxemburg kämen. "Ich stehe zu dem, was ich gesagt habe", sagte Asselborn. Salvini warf er vor, "die Methoden und Töne der Faschisten der Dreißigerjahre" zu verwenden.

Salvini: "Neue Sklaven nach Europa geholt"

Salvini hatte bei dem Ministertreffen in Wien unter anderem davon gesprochen, dass Afrikaner als "neue Sklaven" nach Europa geholt würden. "An dem Punkt hat es mir dann gereicht", sagte Asselborn im Gespräch mit dem Spiegel. "Alle anderen haben betreten zu Boden geschaut, aber ich konnte das einfach nicht so stehen lassen."

Das Außergewöhnliche an dem Streit ist nicht, dass dieser nach außen drang, sondern dass Salvini offenbar gezielt darauf hinsteuerte.

Mit der Veröffentlichung auf Facebook und Twitter bringt Salvini die EU und auch Vorsitzland Österreich in die Bredouille. Denn formal ist es in Österreich strafbar, Gespräche ohne das Wissen der Betroffenen mitzuschneiden oder aufzuzeichnen.