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Politik Inland
01/09/2021

Aschbacher: Doktorehren während Corona-Pandemie

Plagiatsforscher Stefan Weber entdeckte gravierende Mängel in Magister- und Doktorarbeit der Arbeitsministerin.

von Johanna Hager

Die Vorwürfe wiegen schwer. Und sie gewinnen täglich an Brisanz. Donnerstagnacht berichtet der KURIER, dass Arbeitsministerin Christine Aschbacher im April 2006 eine mit „Sehr Gut“ beurteilte Diplomarbeit ("Kompetenzen im Vertrieb – Anforderungen im Key Account Management“) an der Fachhochschule Wiener Neustadt abgelegt hat.

Die Arbeit entspricht allerdings einem „plumpen Plagiat“, wie Plagiatsforscher Stefan Weber nach eingehender Prüfung feststellt und in seinem Blog am Donnerstag publiziert. Aschbacher selbst lässt – mit den Plagiatsvorwürfen konfrontiert – noch am Donnerstag ausrichten, sie habe mit „bestem Wissen und Gewissen gearbeitet“.

Am Freitag gibt die zuständige FH bekannt, den Fall prüfen zu wollen. Zeitgleich indes publiziert Wissenschafter Weber, dass auch Aschbachers Dissertation nicht den wissenschaftlichen Standards genügt. Mehr noch, es handle sich bei der Doktorarbeit („Entwurf eines Führungsstils für Innovative Unternehmen“) – eingereicht an der Technischen Universität Bratislava – um „noch nie gelesene Abgründe von Kauderwelsch, Unsinn und Plagiat in einer Doktorarbeit“. Die Plagiatssoftware „Turnitin“ finde auf den 134 Seiten zu 21 Prozent Plagiate. Darunter Sätze wie „Annahmen sind wie Seepocken“, die der wörtlichen Google-Übersetzung eines Forbes-Artikels entstammen.

Auf die Plagiatsvorwürfe am Samstag angesprochen, sagt Wissenschaftsminister Heinz Faßmann, er wolle der Prüfung der Institutionen nicht vorgreifen, und: "Mir fällt spontan Guttenberg ein, den es ganz hart getroffen hat.“ (CSU-Politiker Karl-Theodor zu Guttenberg wurde des Plagiats überführt, der Doktortitel aberkannt und 2011 das Amt des Verteidigungsministers los).

Bemerkenswert an der Dissertation im Studienfach: Maschinenbau / Studienprogramm: Industriemanagement sind nicht nur die sprachlichen und wissenschaftlichen Verfehlungen, sondern auch die Daten (Erstellung, Abgabe und mündliche Prüfung).

Der "Anfang der Lösung“ – wie es auf dem Deckblatt der Dissertation heißt – ist der 1. Oktober 2012. Die "Abgabe der Arbeit: 31.05. 2020“ ist inmitten der Corona-Krise, in der in Österreich wöchentlich neue Rekordarbeitslosenzahlen aus Aschbachers Ressort vermeldet werden.

Die mündliche Prüfung legt Aschbacher an der TU Bratislava am 26. August 2020 bei Prof. Ing. Jozef Sablik ab. Ob diese vor Ort oder ob Corona via Video absolviert wird, geht es aus der Homepage der Uni nicht hervor.

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