EU-Vergleich: Österreichs Arbeitskosten sind massiv gestiegen
Wird die Bundesregierung die Lohnnebenkosten senken? Übernimmt der Staat künftig beispielsweise Beiträge zum Familienlastenausgleichsfonds (FLAF), die derzeit die Arbeitgeber bezahlen müssen? Eher nicht. Vorerst werden weiterhin Unternehmer Maßnahmen wie die Schulbuchaktion bezahlen – und nicht der Staat.
Eine Senkung der Lohnnebenkosten sei derzeit „völlig illusorisch“, betonte Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) Dienstagabend in der ZiB2 erneut. Zur Einordnung: Österreichs Lohnnebenkosten waren 2025 um 3,6 Prozentpunkte höher als jene Deutschlands. Eine Senkung um einen Prozentpunkt kostet bis zu zwei Milliarden Euro.
Laut Regierungsprogramm ist die Maßnahme dennoch ab 2027 vorgesehen – allerdings nur, wenn sie gegenfinanziert werden kann. Und hier fehlen ÖVP und Neos offensichtlich die Ideen. Die Pinken wollen bei den Verhandlungen zum Doppelbudget für 2027 und 2028 zwar weiterhin auf eine Senkung drängen. Zumindest beteuern sie das, während ihr Staatssekretär Josef Schellhorn dem Vorhaben de facto eine Absage erteilte – und einen parteiinternen Konflikt auslöste.
Ganz vorne dabei
Aber wie dringend wäre eine Lohnnebenkostensenkung überhaupt für den Standort? Ist Arbeit in Österreich tatsächlich zu „teuer“, wie Wirtschaft und Industrie gerne betonen? Die EU-Statistikbehörde Eurostat hat die neuen Daten zu den Arbeitskosten im EU-Vergleich für 2025 veröffentlicht. Das Arbeitnehmerentgelt mitsamt Steuern für die Bereiche Industrie, Baugewerbe und Dienstleistungen lag in Österreich im Vorjahr bei 46,3 Euro pro Arbeitsstunde.
Damit rangiert man – die Daten für Belgien, das 2024 vor Österreich lag, fehlen – in der Union mittlerweile auf dem vierten oder fünften Platz. „Das ist ein Weckruf, dass die Lohnnebenkosten dringend gesenkt gehören. Sie sind ein entscheidender Hebel, aber dem Finanzminister fehlt dafür immer noch das Bewusstsein“, sagt Ökonomin Carmen Treml vom wirtschaftsliberalen Thinktank Agenda Austria zum KURIER.
Mittlerweile seien Österreichs Arbeitskosten so hoch, dass sich Mehrarbeit kaum noch lohne. Und, so Treml: „Sie sind auch im Vergleich mit den anderen EU-Staaten sehr stark angestiegen.“ Österreich bewegte sich in der EU-Statistik 2008 mit 26,40 Euro pro Stunde und 2016 mit 32,50 Euro nämlich noch fernab der „Top 5“.
"Man kann nicht alles entlasten"
Dass hierzulande die Arbeitskosten dermaßen gestiegen sind, führt Treml vor allem auf die Inflation und erhöhte Löhne zurück. Laut einem Bericht der Europäischen Zentralbank (EZB) von Herbst 2025 verzeichnete Österreich als einer von wenigen EU-Staaten seit dem Dezember 2021 sogar ein leichtes Wachstum der Reallöhne. Heißt: Trotz Rekordinflation ist den Österreichern netto, in Relation zur Teuerung, sogar mehr übrig geblieben.
Möglichkeiten, eine Senkung der Arbeitskosten zu finanzieren, gebe es jedenfalls genug, widerspricht Treml Zweiflern: eine Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters, die Streichung von Förderungen oder weniger Preiseingriffe. „Man kann dem Bürger nicht alles entlasten. Eingriffe wie die Spritpreisbremse sind zwar populär, zerstören aber normale Marktmechanismen“, sagt Treml und plädiert für mehr Selbstverantwortung.
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