Neun Milliarden Euro: Lückenschluss beim Hochspannungsnetz
Österreichs Stromsystem ist mitten in seiner größten Transformation. Waren früher nur einige wenige fossile Kraftwerke und Laufkraftwerke im Einsatz, die den Strom zu Betrieben und Haushalten lieferten, sind es heute Hunderttausende „Einspeiser“. Darunter sind die verbleibenden Gaskraftwerke, die Wasserkraft (Laufkraft- und Speicherkraftwerke) und eben auch Windkraftwerke und Photovoltaik-Anlagen.
Damit das Stromsystem wie bisher stabil läuft, müssen die Stromnetze entsprechend angepasst und ausgebaut werden. Am Dienstag präsentierte die APG ihre Ausbaupläne bis 2035. Die Austrian Power Grid ist eine Tochterfirma des Verbund und verwaltet das Übertragungsnetz, also die Hochspannungsleitungen mit 380, 220 und 110 Kilovolt (kV), inklusive der Leitungen ins Ausland (europäisches Verbundnetz).
Die Ausbaupläne der APG bis 2035 sind vergleichsweise trivial und günstig, vergleicht man diese mit den Ausbauplänen der Länder für die Mittel- und Niedrigspannungen, die bis zu 40 Milliarden Euro kosten sollen. Die APG plant rund neun Milliarden Euro an Investitionen für das Schließen der Lücken im Hochspannungsübertragungsnetz. Insgesamt umfasst der Netzentwicklungsplan der APG rund 1.700 Kilometer an Stromleitungen und 71 neue Umspannwerke.
Von West nach Ost
Ziel dieses Netzausbaus ist es, mehr grünen Strom (Windkraft, Sonnenstrom) in Österreich von Ost nach West liefern zu können – derzeit ist diese Übertragungsnetzkapazität mit nur 3 Gigawatt völlig unzureichend. Allein diese Lücke sorgt derzeit durch Ausgleichsmaßnahmen für Mehrkosten von rund 100 Millionen Euro jährlich, damit das Stromnetz nicht zusammenbricht.
Der Ausbau soll aber nicht nur den Stromtransport innerhalb Österreichs, sondern auch aus dem Ausland deutlich verbessern, etwa um den deutlich billigeren Windstrom aus der Nordsee ins Land holen zu können. Profitieren sollen davon auch die Industriebetriebe, die schrittweise von fossilen Energien aussteigen, wie etwa die Voest und andere große Industriebetriebe.
APG-Chef Gerhard Christiner sagte zudem am Dienstag, es gebe Netzzutrittsanfragen aus Industrie und zur Produktion von Wasserstoff, die sich auf 1.900 Megawatt belaufen, dazu kommen Rechenzentren, die 2.500 MW benötigen. Doch der größte Anteil an Netzzutrittsanfragen kommt derzeit von potenziellen Betreibern von Batteriespeichern, die sich auf 12.000 MW summieren.
Insgesamt gehen die Experten durch das fossile Ende von einer Verdoppelung des Stromverbrauchs bis 2040 aus, von derzeit rund 70 TWh (Terawattstunden) auf etwa 120 bis 130 TWh.
Ökostrom-Ausbau
Christiner kritisierte dabei, dass Österreich derzeit ein ineffizientes Stromsystem betreibe, das durch teils zu viel unregulierbaren PV-Strom Mehrkosten von bis zu 200 Millionen Euro jährlich verursache. Christiner appelliert, künftig mehr Windstrom auszubauen, da dieser auch im Winter erzeugt wird, wo man diesen dringend benötige.
Heute, Mittwoch, wird erstmals das Erneuerbaren Ausbau-Beschleunigungsgesetz im Parlament behandelt. Das lehnt die FPÖ ab, die Grünen fordern Änderungen.
Kommentare