Mit Vollgas gegen die Öl-und Gaskrise
Liebe Österreicherinnen und Österreicher!
Wir stehen schon wieder vor schwierigen Monaten, wenn nicht Jahren. Der Angriff Israels und der USA auf das Mullah-Regime, das Zehntausende Männer und Frauen in den vergangenen Monaten hingerichtet hat, hat Folgen für die ganze Welt, da der Iran die für den Welthandel wichtige Seestraße von Hormus beim persischen Golf geschlossen hat. Weil hier aber 20 Prozent des weltweiten Öls verfrachtet werden, waren die Auswirkungen an den internationalen Börsen und in unseren Geldbörsen sofort spürbar und werden immer drastischer, je länger diese Blockade anhält.
Diese globalen Erschütterungen sind jenseits des Einflusses der Bundesregierung. Bisher sind die Folgen für uns unangenehm, aber noch nicht existenziell. Aufgrund der jüngsten Entwicklungen – der Iran will jetzt Reparationszahlungen für die Bombenschäden als Ausgleich für die Öffnung des Seewegs – ist ein baldiges Ende aber nicht wahrscheinlich. Wer jetzt glaubt, es gehe nur um Öl und Gas, hat den Ernst der Lage nicht verstanden. An fossilen Energien hängt weit mehr: Transport, Industrie, Düngemittel, Kunststoffe, zahllose Produkte unseres Alltags. Wenn diese Lieferketten reißen, steigen die Preise nicht irgendwann, sondern sofort und überall. Genau das ist der Preis einer Abhängigkeit, die wir seit Jahren fürchten und auf die wir trotzdem zu langsam reagieren.
Österreich kann die Weltmarktpreise nicht diktieren. Aber Österreich kann entscheiden, wie lange wir ihnen noch ausgeliefert sein wollen. Energiepolitik ist im Jahr 2026 Sicherheitspolitik. Wer Energie kontrolliert, übt Macht aus. Wer abhängig bleibt, zahlt – wirtschaftlich und politisch. Deshalb müssen wir unsere Energieversorgung schneller in die eigene Hand nehmen: mit mehr Windkraft, mehr Sonnenstrom, mehr Wasserkraft, mit einem massiven Ausbau von Speichern und Stromnetzen. Ja, das kostet Milliarden.
Aber die eigentliche Frage lautet längst nicht mehr, ob wir uns das leisten können. Sondern ob wir es uns leisten können, es nicht zu tun.
Österreich hat schon größere Krisen bewältigt. Aber das gelingt nur, wenn wir Politiker endlich aufhören, Probleme zu verwalten und beginnen, sie entschlossen anzugehen. Der Ausstieg aus fossilen Energien ist ohnehin beschlossen. Der neue Ölschock zeigt nur, dass wir zu langsam waren. Wir müssen den Heizungstausch beschleunigen, die Elektromobilität voranbringen und Betriebe beim Umstieg viel entschiedener unterstützen. Und ja: Auch über günstigere Öffi-Tarife und kluge Tempolimits müssen wir jetzt reden. Denn jede eingesparte Energiemenge schwächt diese Krise. Und jede vertane Woche macht uns nur noch ärmer und abhängiger.
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