Das Vertrauen in Spitzenpolitiker schwindet, aber nicht in Rauch

Johannes Rauch, Florian Tursky
Im aktuellen APA/OGM-Vertrauensindex sinkt das Vertrauen in die meisten Spitzenpolitiker. Es gibt aber Ausnahmen.

Das Vertrauen in die Bundespolitik nimmt weiter ab. Aber im aktuellen APA/OGM-Vertrauensindex gibt es auch ein paar Ausnahmen: Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) legte stark zu, in geringerem Ausmaß NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger und FPÖ-Chef Herbert Kickl, der in Summe aber immer noch tief im Minus liegt. Am vertrauenswürdigsten ist weiterhin, trotz Minus, Bundespräsident Alexander Van der Bellen.

Sein Saldo ist im Vergleich zum November um fünf Punkte gefallen. Dazu wird wohl seine Aussage beigetragen haben, Kickl im Fall eines FPÖ-Wahlsieges nicht mit der Regierungsbildung beauftragen zu wollen, erläuterte OGM-Chef Wolfgang Bachmayer. Aktuell gaben 59 Prozent der 1.000 Befragten (online, repräsentativ ausgewählt) an, Van der Bellen zu vertrauen, 37 Prozent verneinten dies - womit der Saldo plus 22 beträgt.

Welchen Spitzenpolitikern vertraut wird

Das ist nach wie vor der mit Abstand beste Wert. Zweite ist Justizministerin Alma Zadic (Grüne) mit plus 11, gefolgt von Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) mit 10 und Nationalratspräsidentin Doris Bures mit 7. Rauch hat es mit einem Vertrauensplus von 14 in den Positiv-Bereich (Saldo plus 3) geschafft.

Dafür sieht Bachmayer mehrere Gründe: Dass Rauch das Ende der Pandemie ausgerufen hat, dass er der Ärztekammer die Stirn bietet und auch sein "alemannisch-ruhiges, aber bestimmtes Wesen". Gerade, mit 1, ins Plus geschafft hat es in der Februar-Befragung mit Kultur-Staatssekretärin Andrea Mayer noch ein drittes Grünes Regierungsmitglied.

Kickl legt im Vertrauensindex zu

Dass auch Kickl - um 5 Punkte - zugelegt hat, und zwar zum zweiten Mal in Folge, liegt laut Bachmayer daran, dass die FPÖ-Wählerschaft wächst. Er rangiert aber immer noch tief - mit einem Saldo von -48 - im Minus. Die rote Laterne konnte er allerdings schon im November an Nationalratspräsidenten Wolfgang Sobotka (ÖVP) abgeben - der jetzt noch ein wenig (2 Punkte) auf minus 61 verlor.

Auch die nach Kickl nächsten am unten Ende der Vertrauenspyramide sind ÖVP-Politiker, die alle weiter abgerutscht sind: Klubobmann August Wöginger (-3 auf -37), Innenminister Gerhard Karner (-9 auf -36), Bildungsminister Martin Polaschek (-6 auf -36) und Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (-6 auf -35). Deutlich verschlechtert (-8 auf -26) hat sich aus der ÖVP-Regierungsriege auch Jugend-Staatssekretärin Claudia Plakolm.

Rendi-Wagner verliert Vertrauen

Aber auch SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner hat Vertrauen eingebüßt: Ihr Saldo wurde gegenüber November um acht Punkte (auf -21) schlechter. Die Ursachen dafür "liegen auf der Hand", stellte Bachmayer fest - wies aber darauf hin, dass 35 Prozent der befragten Wähler und Wählerinnen Rendi-Wagner vertrauen. Und das sei deutlich mehr als die SPÖ derzeit in den Umfragen erreiche.

Ähnlich ist es bei Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP): Er verlor sechs Punkte auf jetzt -17. Aber ihm vertrauen 38 Prozent, das ist weit mehr als die ÖVP-Umfragewerte. Nicht wenige Vertrauensstimmen kommen also von anderen Parteien, laut Bachmayer vor allem aus dem grünen Lager. Umgekehrt gelte das auch für Vizekanzler Werner Kogler, dem 39 Prozent vertrauen - vier Mal so viel wie die Grünen in der Umfragen erreichen. Kogler blieb gegenüber November fast gleich (-15) - und liegt damit insgesamt auf Rang 15 der 30 abgefragten Politiker, knapp vor Nehammer und Rendi-Wagner.

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