Rudolf Anschober

© Kurier / Juerg Christandl

Politik Inland
02/07/2020

Anschober zur Pflege: "In vier Jahren zwei Stunden weniger Arbeitszeit"

Sozialminister Anschober unterstützt die Forderung der Pflegekräfte – sie sollen künftig eine Arbeitszeitverkürzung erhalten.

von Ida Metzger

Die Pflege hat es wieder in den Rang der politischen Brennpunktthemen geschafft. Da liegt die Streikdrohung in der Luft, weil die Gewerkschaft eine 35-Stunden-Woche fordert, aber die Arbeitgeber massiv auf der Bremse stehen. Am Montag gehen die Verhandlungen in die letzte Runde, kommt es zu keiner Einigung, werden die Pflegekräfte erstmals Warnstreiks in den Heimen abhalten. Sozialminister Rudi Anschober (Grüne) greift nun auch in das Pflegethema ein.

 

Am Freitag startet Anschober eine Dialogtour zur Pflege mit 100 Gesprächen in zwei Monaten. Schön, aber verstreicht hier nicht einmal mehr viel zu viel Zeit, die man bereits für neue Maßnahmen nützen könnte? "Es ist ja nicht so, dass nichts umgesetzt wird. 4.000 Pflegekräfte werden pro Jahr neu ausgebildet", meint Anschober auf diese Frage.

 

Zusätzlich hat der neue Gesundheits- und Sozialminister den Eindruck, dass im System eine ganze Reihe von Problemen existieren. Vor allem die Arbeitssituation der Pflegerinnen und Pfleger sei prekär. In vielen Gesprächen habe Anschober erfahren, dass die "Mitarbeiter sich in einer Überlastungssituation befinden".

Das Ziel dieser Dialogtour soll sein, Maßnahmen zu definieren, um beispielsweise die Bürokratie zu erleichtern. "Denn", so Anschober, "es muss einen Grund geben, warum von 141.000 ausgebildeten Pflegekräften 30.000 nicht in diesem Bereich arbeiten."

Erschwerend hinzu kommt, dass es für den emotional und physisch belastenden Job kein üppiges Monatsgehalt gibt. Darum suchen ja viele Pflegekräfte nach einigen Jahren eine berufliche Neuorientierung. Als Altenpfleger verdient man je nach Bundesland und Berufserfahrung zwischen 1.580 und 2.640 Euro brutto im Monat.

Für die Forderung der Pflegekräfte – eine Reduktion der Arbeitszeit – hat Anschober großes Verständnis. Denn als Zivildiener war der Minister selbst als Pflegekraft in einem Altenheim eingesetzt. "Das ist ein unfassbar anstrengender Beruf, der aber auch wunderschön sein kann". Die unterbrochenen Kollektivvertragsverhandlungen bezeichnet Anschober als "total spannend". Denn es existieren Vorschläge, dass man ein "Reißverschlusssystem installieren könnte".

Wie könnte das ausschauen? "Ein Jahr könnte man eine Lohnerhöhung machen. Im darauffolgenden Jahr gibt es dann eine leichte Arbeitszeitverkürzung von einer Stunde. Wenn man das über mehrere Jahre verknüpft, könnten nach vier Jahren zwei Stunden weniger Arbeitszeit pro Woche rausschauen". Einigen sich Gewerkschaft und Arbeitgeber auf dieses Modell, wäre das ein Signal "Wir nehmen euch ernst", meint Anschober.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.