Öl und Gas: Wie Energieschocks egal werden können

Die Weltwirtschaft verfällt regelmäßig und nicht ohne Grund in Panik, wenn die Preise am Weltmarkt für Erdöl und Erdgas aufgrund von Kriegen explodieren. Der Wechsel hin zu Erneuerbaren wäre eine Lösung.
Stahlproduktion bei Thyssenkrupp Steel

Seit mehr als hundert Jahren sind fossile Energieträger wie Öl, Gas und Kohle der wichtigste Treibstoff fast aller Volkswirtschaften. Diese Energieträger haben uns zu Wohlstand verholfen, die Mobilität revolutioniert und unsere Gebäude gewärmt.

Diese Abhängigkeit hat aber immer wieder zu massiven Problemen geführt, wenn Lieferketten ins Wanken gerieten: Das Arabische Ölembargo nach dem Jom-Kippur-Krieg 1972 hat zum ersten veritablen Ölschock geführt, mit Preissteigerungen von über 180 Prozent. 1979 stiegen die Preise infolge der iranischen Revolution sprunghaft um knapp 70 Prozent. 

Weitere Preisschocks gab es 1990 nach dem irakischen Einmarsch in Kuwait, 2007/2008 im Zuge der Finanzkrise, dann 2022 mit Beginn des Ukrainekriegs und nun durch den Krieg im Nahen Osten, durch den der Ölpreis kurzfristig um fast 90 Prozent anstieg. Dieser Konflikt dürfte noch länger nicht gelöst sein, die Unsicherheit bleibt also.

Immerhin gibt es einen Plan, wie wir uns in Österreich und Europa gegen die Verwerfungen der internationalen Energiemärkte widerstandsfähiger machen können: durch den Ausstieg aus Öl und Gas.

Raus aus Öl & Gas

Die 27 EU-Staaten haben kürzlich gesetzlich beschlossen, bis 2040 den Treibhausgas-Ausstoß um bis zu 90 Prozent zu reduzieren. Das heißt: Fossile Energieträger wie Erdöl (Benzin, Diesel, Heizöl), Erdgas und Kohle müssten in den verbleibenden 14 Jahren fast vollständig gegen erneuerbare ersetzt werden.

Ein Blick in die Statistik zeigt: Österreichs Fossilanteil am Endenergieverbrauch liegt mit Daten von 2023 noch immer bei knapp 60 Prozent – im EU-Vergleich ist das dennoch ein relativ guter Wert.

Energie Österreich

Strom

Beim Blick auf die wichtigsten Sektoren zeigt sich, dass kein EU-Land einen höheren Anteil an erneuerbarer Energie im Stromsystem hat als Österreich. 2023 lag er bei knapp 88 Prozent, zuletzt wetterbedingt allerdings deutlich niedriger. Um Österreich bis 2030 bilanziell nur mehr mit erneuerbarem Strom zu versorgen, verhandelt die Regierung derzeit das Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz. Es beinhaltet unter anderem die rechtliche Festlegung eines „überwiegenden öffentlichen Interesses“ am Ausbau der Erneuerbaren; damit würde dieser rechtlich höher gewichtet als Landschaftsschutz oder Ortsbildschutz.

Woher Österreichs Energie kommt

Mobilität

Noch werden in Österreich jährlich rund neun Milliarden Liter Benzin und Diesel getankt, die vor allem aus Staaten wie Kasachstan, Libyen, dem Irak und anderen Staaten im Nahen Osten oder Afrika stammen. Der Wechsel der Fahrzeugflotte hin zu Elektroautos läuft – aber schleppend. Bis Ende März 2026 waren in Österreich 22,5 Prozent aller Pkw-Neuzulassungen rein elektrisch. Am Gesamtbestand sind es aber gerade einmal fünf Prozent. Doch reicht der Strom, wenn nur mehr E-Autos und E-Lkws unterwegs sind? Ja, zeigen Analysen der Energieagentur: Der Strombedarf würde nur um etwa 15 Prozent steigen.

Wärme

Im Jahr 2024 waren 443.142 Ölheizungen und 843.691 Gasheizungen in Österreich installiert. Damit bis 2040 alle Gasheizungen und bis 2035 alle Ölheizungen gegen erneuerbare Systeme getauscht werden, müssten im Schnitt täglich 144 (!) Gasheizungen und 118 Ölheizungen getauscht werden. Klingt unrealistisch? Ist es auch – es sei denn, die Förderpolitik verbessert sich.

Industrie

Vor allem die energieintensiven Betriebe wie die Voestalpine sind bereits enorm unter Druck, ihre Produktionsverfahren umzubauen. 2027 will etwa die Voest in Linz und in Donawitz erstmals Kohle-Stahlhochofen durch einen Elektrolichtbogenofen ersetzen. Das ist beispielgebend für andere Betriebe, wie fossile Prozesse schrittweise ersetzt werden können.

Die Wende kommt also – nur nicht schnell genug. Doch jeder ersetzte Liter Öl, jede stillgelegte Gasheizung und jeder Kilometer, der mit erneuerbarem Strom statt mit Benzin oder Diesel gefahren wird, macht Österreich ein Stück unabhängiger von den Preisschocks der fossilen Welt. Der Ausstieg aus Öl und Gas ist längst nicht nur eine Frage des Klimas, sondern auch eine der wirtschaftlichen Vernunft und der nationalen Resilienz.

Dass Österreichs CO2-Emissionen 2025 wieder gestiegen sind, zeigt allerdings, wie groß die Lücke zwischen politischem Anspruch und realer Entwicklung noch immer ist.

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