Politik | Inland 14.03.2016

AMS-Experten: Verlorene Schüler-Generation "wird jährlich größer"

© Bild: georg gesellmann

Immer mehr Junge ohne Ausbildung bleiben ohne Job. Experten verlangen mehr Frühförderung.

Der Befund einer Wiener Direktorin im KURIER am Sonntag (LINK) ist erschreckend: "Ein Drittel der Schüler wird die Schule verlassen und in ihrem Leben wohl nie einen Job oder gar eine Lehrstelle finden", erzählte die Pädagogin. Dabei geht es vor allem um Schüler mit nicht-deutscher Muttersprache, die auch nach der Pflichtschule kaum Deutsch können.

46.000 junge Arbeitslose

Die Zentralen des Arbeitsmarktservice in Wien, Linz und Graz bestätigen grundsätzlich dieses Phänomen im urbanen Bereich. Österreichweit waren 2015 rund 46.000 Jugendliche unter 25 arbeitslos gemeldet.

"Jedes Jahr bekommen wir Pflichtschulabsolventen, die nicht Lesen, Rechnen und Schreiben, und manche auch noch kaum Deutsch können", erklärt Gerda Chalupner vom AMS Wien. Sie hilft seit 36 Jahren schwer vermittelbaren Jugendlichen: "Das Problem wird jährlich größer." Derzeit betreut sie und ihr Team rund 14.000 unter 21-Jährige.

Mangelnde Sprachkompetenz

Auch Birgit Gerstorfer, Geschäftsführerin vom AMS Oberösterreich, erklärt, dass das Phänomen bildungsferner Jugendlicher vor allem im städtischen Bereich groß ist. "Da müssen wir oft damit beginnen, die Sprachkompetenz zu vermitteln." Pflichtschulabsolventen seien generell schwer vermittelbar, fehlende Deutschkenntnisse würden die Suche nach Job oder Ausbildungsplatz deutlich erschweren. Generell liegt die Arbeitslosenquote bei Menschen nur mit Pflichtschulabschluss bei 17,4 Prozent, mit Lehrabschluss schon nur mehr bei 4,7 Prozent.

Farb- und Stilberatungskurse

Vom AMS Graz berichtet Hermann Gössinger ähnliches: "Den Jugendlichen erklären wir auch deutlich, dass sie aus unserer Erfahrung ohne Ausbildung ein Leben lang Dauergast beim AMS sein werden." Da es nicht selten auch am Auftreten und an den Umgangsformen der Jugendlichen mangelt, hat das AMS Graz eigene "Farb- und Stilberatungskurse" gestartet.

So groß wie in Wien, heißt es aus Linz und Graz, sei das Problem aber nicht. "Da ist das Bildungssystem gefordert", findet die Wienerin Chalupner. "Die Jugendlichen sind ja nicht arbeitsscheu. Sie sollten nur ab dem Kindergarten viel individueller gefördert werden. Es muss allen klar sein, je früher ich die Kinder fördere, desto mehr Investitionen erspare ich mir im Laufe der Jahre."

( kurier.at ) Erstellt am 14.03.2016