Politik | Inland
12.12.2017

Alterslimit bei Raucherlokalen: "Auf Lehrlinge wurde vergessen"

Raucherlokale sollen laut Türkis-Blau Sperrzone für Unter-18-Jährige sein. Wie das bei Lehrlingen in den Betrieben aussieht, ist fraglich.

Mehr Wahlfreiheit für Raucher, aber massive Einschränkungen für Jugendliche.

So in etwa lautet das Credo der türkis-blauen Verhandler in puncto Nichtraucherschutz. Jeder, der raucht, soll das künftig auch weiterhin in Lokalen tun dürfen; nur für Unter-18-Jährige gilt das nicht: Für sie soll die Raucher-Gastronomie Sperrzone sein, so der VP-FP-Plan.

Nur: Wie ist das in Lokalen, in denen geraucht wird, und in denen ein Lehrling arbeitet? Dürfen die dann auch nicht mehr dort arbeiten?

„Lehrlingsverbot“

„Das ist nicht durchdacht“, sagt Alexander Haider, Leiter der Abteilung für Sicherheit und Gesundheit der Arbeiterkammer Wien. „Wenn Jugendliche unter 18 nicht reindürfen, müsste es für diese Lokale also auch ein Lehrlingsverbot geben“, sagt er – die Wahlfreiheit, die es laut Türkis-Blau für Raucher geben soll, wäre für Lehrlinge damit ins Gegenteil verkehrt.

Rauchverbot gekippt, Experten sehen "Verbrechen"

Bisher ist es so, dass Lehrlinge zwar laut Gesetzt durchaus in Raucher-Räumlichkeiten arbeiten dürfen, aber Betriebe damit durchaus ihre Probleme haben: „Mir sind kürzlich zwei Lehrlinge abgesprungen, weil ihre Eltern nicht wollten, dass sie in einem Raucherlokal arbeiten“, sagt etwa ein Gastronom aus Niederösterreich zum KURIER – es sei ohnehin schon schwierig genug, Nachwuchskräfte zu finden, und das Rauchen verkompliziere die Sache nur noch.

Freilich, für die Eltern habe er durchaus Verständnis – deren Einstellung sei ja nur „verantwortungsvoll“, sagt der Gastronom. Er ist darum auch einer der Lokalbesitzer, die sich auf ein komplettes Rauchverbot in der Gastronomie gefreut hätten: „Die Neuregelung ist eine Katastrophe“, sagt er – und das nicht nur, weil „man auf die Lehrlinge einfach vergessen hat“.

"Vernunft statt Verbote"

„Unglaublich dumm“ nennt auch Neos-Mandatar Sepp Schellhorn diese Lücke im vorliegenden Vorschlag. „Lehrlinge im Service sind meist unter 18“, schreibt er auf Twitter – und: „Was habt’s euch dabei gedacht?“

In Verhandlerkreisen wird die Frage, wie man das „Lehrlingsverbot“ handhaben könnte, bisher nicht kommentiert. Dort verweist man nur darauf, dass „mit Vernunft mehr zu erreichen ist als mit Verboten.“