Politik | Inland
15.09.2018

Alternde Gesellschaft: Warnung vor hohen Kosten

EcoAustria: Ab Ende der 2020er Jahre wieder Anstieg der Staatsschulden. Männer zahlen ab 22 Jahren mehr an Staat als sie erhalten, Frauen ab 26.

Das industrienahe Wirtschaftsforschungsinstitut EcoAustria warnt die Regierung vor einer Lockerung der Sparbemühungen. Das derzeit günstige Bild der Staatsfinanzen führt EcoAustria in einem am Samstag veröffentlichten "Schulden-Check" auf das starke Wirtschaftswachstum zurück. Wegen hoher Kosten für die Alterung der Gesellschaft drohe ab Ende der 2020er Jahre aber wieder ein Anstieg der Schulden.

Für seinen "Schulden-Check" hat das Institut errechnet, wie sich die Beitragsleistung der Steuerzahler im Lauf des Lebens ändert. Im Durchschnitt sind demnach Männer zwischen 22 und 61 Jahren "Nettozahler", Frauen zwischen 26 und 59 Jahren. In diesem Zeitraum wird also mehr an Steuern und Sozialbeiträgen eingezahlt, als an öffentlichen Leistungen konsumiert. Wobei diese Phase bei Frauen vier Jahre später beginnt, weil schon junge Männer mehr verdienen und weil für junge Frauen höhere Gesundheitsausgaben (Stichwort: Geburten) anfallen, wie EcoAustria Sozialexperte Johannes Berger sagt.

In jungen Jahren und im Alter Nettoempfänger

Nettoempfänger sind die Österreicher vorher und nachher: In jüngeren Jahren finanziert der Staat die Bildung, im Alter die Pension. Außerdem steigen mit dem Alter auch die Gesundheitskosten massiv an. Wobei Frauen zwar im Erwerbsleben im Durchschnitt weniger einzahlen als Männer, wegen niedrigerer Pensionen im Alter aber auch weniger "kosten".

Anstieg der Staatsschulden ab Ende der 2020er Jahren

In Summe werden die steigenden Ausgaben für Pensionen, Gesundheit und Pflege laut EcoAustria ab Ende der 2020er Jahre wieder zu einem Anstieg der Staatsschulden führen. Angesichts der aktuell guten Konjunktur rechnet die Regierung ja damit, die Staatsschulden bis 2022 auf 62 Prozent der Wirtschaftsleistung (Bruttoinlandsprodukt/BIP) senken zu können. EcoAustria geht davon aus, dass auch ein Schuldenabbau unter die auf EU-Ebene vorgegebene Grenze von 60 Prozent des BIP möglich ist.

Ab Mitte der 2030er Jahre droht nach Einschätzung des Instituts aber wieder ein Überschreiten der EU-Schuldengrenze. "Da diesen Ausgabensteigerungen ohne tiefgreifende Reformen keine entsprechende Finanzierung gegenübersteht, müssen die österreichischen Staatsfinanzen in ihrer jetzigen Verfassung als nicht nachhaltig angesehen werden", sagt EcoAustria-Direktor Tobias Thomas.

Thomas plädiert daher für eine Anhebung des Pensionsantrittsalters. Rechnet man künftige Budgetdefizite den aktuellen Staatsschulden (78,4 Prozent des BIP 2017) hinzu, kommt EcoAustria auf eine "effektive Staatsverschuldung" von 308 Prozent.