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Politik Inland
08/31/2020

AK wünscht sich 12-Stunden-Tag weg und will Arbeitszeitverkürzung

Viele Beschäftigte würden bei der Arbeiterkammer anrufen und sich zum 12-Stunden-Tag erkundigen, aber da er gesetzlich verankert ist, könne man nichts tun.

Seit zwei Jahren gibt es jetzt den von der damaligen ÖVP-FPÖ-Regierung - unter massivem Protest von Arbeitnehmervertretern - eingeführten 12-Stunden-Tag. "Es wäre besser, das Gesetz wäre nicht mehr da", sagt die Präsidentin der Arbeiterkammer (AK) auch heute. Lieber will Anderl eine Diskussion über eine Arbeitszeitverkürzung führen. "Da gibt es viele Facetten", sagt sie im Gespräch mit der APA.

"Die Möglichkeit einer geblockten Freizeit als Ersatz für den Arbeitnehmer fehlt bis heute gänzlich", kritisiert sie im Zusammenhang mit dem 12-Stunden-Tag. Viele Beschäftigte würden bei der Arbeiterkammer anrufen und sich zum 12-Stunden-Tag erkundigen, aber da er gesetzlich verankert ist, könne man nichts tun. Manchmal würden die zusätzlichen Pausen von Betrieben nicht gewährt. "Wir haben auch Fälle, in denen es über die zwölf Stunden hinaus geht", sagt Anderl.

"Wenn wir eine Diskussion über eine Arbeitszeitverkürzung führen, ist das der richtige Weg", sagt die Arbeitnehmervertreterin. Eine solche könne ganz unterschiedlich ausgeprägt sein, viele Beispiele gebe es jetzt bereits - aber nur in einzelnen Betrieben: "4-Tage-Woche, 30-Stunden-Woche, die sechste Urlaubswoche - alles gibt es im echten Leben schon."

"Wir wollen darüber sprechen. Wir wollen nicht, dass es immer dieselben Floskeln gibt, wie man alles ablehnen kann - wie etwa das sei nicht leistbar, Betriebe würden abwandern. Man muss sich anschauen, welche Modelle es gibt und wo diese passen würden", so Anderl.

Von einer gesetzlichen Arbeitszeitverkürzung wollte Anderl auf Nachfrage nicht sprechen. Da gebe es zu viel Gegenwind. Das Soli-Modell, das die SPÖ will, gebe es zum Teil auch bereits in der Praxis. Insgesamt sei das Thema Arbeitszeitverkürzung bei der Gewerkschaft in sehr guten Händen. Diese werde das Thema sicher stark in die Kollektivvertragsverhandlungen - die im Herbst traditionell mit den gewichtigen und wegweisenden Metallern beginnen - einbringen.

"Ein Schritt wäre etwa auch die sechste Urlaubswoche für jeden nach 25 Arbeitsjahren", sagte Anderl. "Wenn der Bundeskanzler (Sebastian Kurz (ÖVP), Anm.) sagt, dass sich die Arbeitswelt verändert hat und man darauf reagieren muss, dann wäre ich auch hier dafür, dass das Urlaubsgesetz bezogen auf die sechste Arbeitswoche kein totes Gesetz ist und zum Leben erweckt wird. Denn die Aller-, Allerwenigsten sind heutzutage so lange in derselben Firma, dass sie die sechste Urlaubswoche erreichen können. Ganz wenige schaffen 25 Jahre in einem Betrieb."

"Jedenfalls brauchen die Beschäftigten Entlastung, damit sie gesund bleiben", so Anderl, "denn alles wird immer schneller und rascher". Schließlich müssten die Menschen auch noch gesund in Pension gehen können.

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