Politik | Inland
30.04.2018

Absolute Mehrheit? „Das schaffen wir mit links“

Parteirebellen aus dem Alsergrund wollen den Vorsitzenden am liebsten direkt wählen

Ihre Transparente für den 1. Mai hat die SPÖ-Sektion 8 aus dem Wiener Bezirk Alsergrund schon längst vorbereitet: „Das schaffen wir mit links! Absolute 2020“, ist darauf zu lesen. „Wenn sich die SPÖ klar links positioniert, kann sie damit viele Menschen überzeugen“, sagt Eva Maltschnig, Vorsitzende der Sektion, die sich regelmäßig in einem Extrazimmer des Café Winter auf der Alser Straße trifft.

Dort haben die gerne als Parteirebellen bezeichneten Genossen schon einige Ideen geboren, die die SPÖ-Spitze gehörig ins Schwitzen brachten. Etwa ein Verbot des kleinen Glücksspiels in Wien, das sie dann am Parteitag auch tatsächlich durchsetzten.

Seit Jahren machen sie sich auch für mehr Mitspracherechte der Parteimitglieder stark – etwa in Form einer Direktwahl des Parteichefs. „Das ist in fast allen sozialdemokratischen Parteien Europas so üblich“, sagt Oliver Zwickelsdorfer. In der Sektion 8 freut man sich, dass auch Parteichef Christian Kern solchen Ideen etwas abgewinnen kann. Überhaupt hört man viel Lob für den vom Kanzler zum Oppositionsführer mutierten Vorsitzenden. „Seit sie in der Opposition ist, hat die SPÖ viele sozialpolitische Themen auf den Tisch gebracht – etwa, wenn es um die geplante Abschaffung der Notstandshilfe durch die Regierung geht“, so Maltschnig.

Dass Kern zuletzt etwas zu schrill gegen die Regierung agitierte, findet man nicht: „Ist er vorsichtig, wird er als zu staatstragend kritisiert. Wenn er laut auftritt, ist es auch nicht recht“, sagt Andreas Handler.

Urban und liberal

Angesiedelt in einem urban-liberalen Innenstadt-Bezirk, wird die SPÖ Alsergrund gemeinhin eher dem linken Parteiflügel zugerechnet. Mit der aus dem Irak stammenden Kurdin Saya Ahmad stellt sie ab Juni auch die wienweit erste Bezirksvorsteherin mit Migrationshintergrund. Im Duell um die Nachfolge von Michael Häupl hatte der neue Parteichef Michael Ludwig nur wenige Unterstützer. So auch in der Sektion 8: Bei einer Online-Umfrage kam Gegenkandidat Andreas Schieder auf mehr als 80 Prozent.

Mittlerweile scheint man sich aber auch mit Ludwig arrangiert zu haben: „Er ist ein kluger Mensch und ein Vertreter der klassischen Arbeiterschicht“, sagt die Regisseurin und Autorin Andrea Maria Dusl. „Ich habe das Gefühl, dass er uns als kritisches Flügerl noch positiv überraschen wird.“

Eine Spaltung der Wiener SPÖ zwischen „linken“ Innen- und „rechten“ Außenbezirksvertretern sieht Dusl nicht. „Ich bin aus der Innenstadt und habe große Solidarität mit den Außenbezirken.“ Dass in der SPÖ unterschiedliche Strömungen Platz hätten, sei vielmehr ihre Stärke, sagt Maltschnig. „Anders als so manche kleine Klientelpartei decken wir das gesamte Gesellschaftsspektrum ab.“Josef Gebhard