Politik | Inland
11.09.2017

41 TV-Termine in 34 Tagen: Wer will das alles sehen?

In 41 TV-Talks wird ab sofort um jede Stimme gebuhlt. Wem nützt das und was ist dabei wichtig?

Es ist ein nie dagewesenes Dauerfeuer an politischen Debatten, Duellen und Prüfungen, die in den kommenden Wochen über die Bildschirme der Österreicher flimmern werden: In 41 TV-Terminen buhlen die Spitzenkandidaten der Parteien um Stimmen für die Nationalratswahl.

Den Anfang macht heute, Montag, Puls 4 mit gleich zwei Konfrontationen: Zur Primetime trifft FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache auf Neos-Obmann Matthias Strolz, danach duellieren sich Strache und die Grüne Spitzenkandidatin Ulrike Lunacek. Pikant: Nach Drehbuch des Privatsenders sollen die Duellanten ihrem jeweiligen Gegenüber ein Geschenk mitbringen – über das Präsent selbst wird der Sender im Vorhinein nicht informiert. Einfallsreich zeigt sich auch der ORF, der heuer unter dem Titel "Nationalraten" Quiz-Sendungen mit den Spitzenkandidaten veranstaltet.

Alles in allem bedeutet dies Dutzende Stunden TV-Präsenz und durchschnittlich rund 1,2 Duelle pro verbleibendem Tag bis zur Wahl am 15. Oktober. "Dieses Riesenprogramm wird zur enormen mentalen und physischen Herausforderung für die Kandidaten", sagt OGM-Meinungsforscher und Politikexperte Wolfgang Bachmayer zum KURIER. Die "Gefahr der Monotonie" sei angesichts der Fülle an Diskussionen und der zu weiten Teilen bereits bekannten Inhalte groß: "Man wird mit Sicherheit im hohen Maße das Gleiche vom jeweiligen Kandidaten hören", so Bachmayer. Daher würde er den Kandidaten empfehlen, sich hie und da von Parteikollegen vertreten zu lassen, auch im Sinne einer personellen Verbreiterung der Kampagne. Im ORF beispielsweise ist dies jedem Kandidaten einmal erlaubt – derzeit aber sind keine Signale aus den Parteien zu vernehmen, dass sie den einmaligen Joker der Zweitbesetzung ziehen wollen.

"Nicht zu defensiv"

Der KURIER-Meinungsforscher geht davon aus, dass die meisten Zuschauer mehr als einen Auftritt eines Kandidaten sehen werden. "Also geht es darum, Botschaften einzubetonieren und Vertrauen zu vermitteln", erklärt Bachmayer.

Für Fernsehcoach und Ex-ORF-Moderator Gerald Groß zählt vor allem eines: "Es geht in den Duellen darum, den Gegner anzugreifen und Emotionen zu wecken", sagt er. Nebst der Emotionen müsse man – da ist er sich mit Bachmayer einig – "die eigene Erzählung festigen".

Jedenfalls aber, so Groß, "dürfen die Kandidaten nicht zu defensiv agieren und müssen Sager liefern". Schließlich handle es sich bei TV-Duellen um "Infotainment" – ohne Humor und pointierte Sager werde es also nicht gehen, sagt der Experte.

Letztendlich, resümiert TV-Profi Groß, könnte sich dank Fernseh-Marathon die Umfragelage auch noch gehörig verändern: Vor allem SPÖ-Chef Christian Kern sei sehr telegen, "es kann also noch spannender werden", sagt er. Denn, sekundiert OGM-Chef Bachmayer, "die Fernseh-Auftritte sind noch immer die wichtigste Entscheidungsgrundlage für die Wahl".