Streit, Euphorie, Katzenjammer: 40 Jahre Grüne im Parlament
Es war eine bunte Truppe, die sich an diesem Dezembermorgen dem Parlament näherte. Bedacht auf passende Fotomotive hatte der Schauspieler Herbert Fux einen Koffer mitgebracht. An seiner Seite die noch jugendlichen Peter Pilz und Christoph Chorherr. Eher dezent in der zweiten Reihe die Frontfrau der Partei – Freda Meissner-Blau.
Unter ihrer Ägide gelang den Grünen am 17. Dezember 1986 ein historischer Meilenstein: Mit acht Mandataren zogen die Ökos erstmals in das Parlament ein.
Etwa verfrüht feierte die aktuelle Parteichefin Leonore Gewessler am Freitag mit einem Medientermin den 40. Jahrestag. Angesichts der neuen Herausforderungen durch Krieg, Wirtschaftskrise und autoritäre Regimes werde sich die Partei ein neues Leitbild verpassen, kündigt sie an.
Doch zurück in die 80er, die ungeachtet aller nostalgischer Verklärung ebenfalls recht unruhig waren: 1984 fand die Besetzung der Hainburger Au statt – eines der zentralen Ereignisse der noch jungen und unorganisierten grünen Bewegung. Im April 1986 kam es dann zu der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Gleichzeitig betrieb Pilz sein Volksbegehren gegen die umstrittene Stationierung der Draken-Abfangjäger in der Steiermark. Eine Themenlage, die zweifelsohne dazu beitragen sollte, dass die Grünen bei der Nationalratswahl im November den Sprung ins Parlament schaffen sollten.
Die ersten Jahre der neuen Parlamentsfraktion waren noch geprägt von inneren Richtungskämpfen, getragen von wenig teamfähigen Alpha-Tieren. Gleichzeitig erwarb man sich Meriten als Aufdecker- und Kontrollpartei.
Nur langsam wuchs in den folgenden Jahren der Wähleranteil an, unterbrochen immer wieder von Rückschlägen. Gleichzeitig setzte unter Vorsitzenden wie Madeleine Petrovic, Alexander Van der Bellen und Eva Glawischnig die Professionalisierung der Partei ein. Die inneren Grabenkämpfe wurden weniger, die Partei wurde „normaler“ – was ihr so mancher Mitstreiter auch zum Vorwurf machte.
Normal wurden mit der Zeit auch Regierungsbeteiligungen auf allen Ebenen – etwa als Juniorpartner der SPÖ in Wien (2010 bis 2020), wo spektakuläre Projekte wie die Verkehrsberuhigung der Mariahilfer Straße umgesetzt wurden.
Regierungsbeteiligung
Auf Bundesebene brauchten die Grünen einen längeren Atem. 2002 waren die Verhandlungen mit Wolfgang Schüssels ÖVP noch knapp gescheitert. 2019 sollte sich aber wieder ein Zeitfenster auftun. Zwei Jahre zuvor war man noch aus dem Parlament geflogen, mit dem nun hoch im Kurs stehenden Thema Klima schafften die Grünen unter Werner Kogler nicht nur das Comeback, sondern auch den Sprung in die Bundesregierung.
Dort konnte vor allem Umweltministerin Leonore Gewessler Prestigeprojekte wie das Klimaticket umsetzen, das Koalitionsklima sollte unter ihrem resoluten Auftreten aber leiden. Und das Thema Klimaschutz wurde angesichts der globalen Verwerfungen für die Wähler wieder unwichtiger.
Kein Wunder also, dass die Grünen seit 2024 wieder die Oppositionsbank drücken müssen. Auf Landesebene ist man nur noch im Burgenland Regierungspartei. Insofern ist es nur logisch, dass Gewessler die Partei inhaltlich breiter aufstellen will: Die Grünen sollen nicht als reine Klimaschutz-Partei wahrgenommen werden.
Und jetzt?
Mit der jüngsten Kampagne für Erbschafts- und Vermögenssteuern – ein Leibthema von SPÖ-Chef Andreas Babler – will man im roten Revier wildern. Im Parlament setzt man gegenüber der Regierung auf eine Doppelstrategie aus Konfrontation und Kooperation.
Zugleich grenzt man sich scharf von der FPÖ ab. Vielleicht schon als Vorbereitung für die Bundespräsidentenwahl 2028. Schließlich hat mit Van der Bellen schon einmal ein Grüner einen blauen Kandidaten in die Knie gezwungen.
In den Umfragen hat man im Vergleich zu 2024 leicht zugelegt und die Neos überholt. Eine Regierungsbeteiligung erscheint aktuell aber in weiter Ferne.
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