Zum 40er verpasst Gewessler den Grünen einen neues Leitbild

Im Herbst 1986 zogen die Grünen erstmals ins Parlament ein. Nach den jüngsten Rückschlägen will man nun das Profil nachschärfen.
Gewessler gestikuliert vor einem grünen Hintergrund mit Mikrofon.

40 Jahre ist es her, dass die Grünen rund um die Umwelt-Aktivistin Freda Meissner-Blau bei der Nationalratswahl 1986 4,8 Prozent eroberten und mit acht Mandataren erstmals ins Parlament einzogen. Es folgten Rückschläge und Erfolge. Der größte wohl 2020, als die Ökos es in die Bundesregierung schafften.

Schon ein paar Monate vor dem eigentlichen Jahrestag ziehen die Spitzen der heutigen Partei Bilanz. „Es ging uns immer um mehr als um Umweltschutz. Es ging uns auch um Gerechtigkeit, um Freiheit, um Selbstbestimmung, um Zusammenhalt“, betont Parteichefin Leonore Gewessler ganz im Sinne des aktuellen grünen Credos, die Partei inhaltlich breiter aufzustellen. 

Wo die Grünen ihre Spuren hinterlassen haben

„Wenn Sie sich anschauen, was in Österreich in den letzten 40 Jahren passiert ist, dann findet man sehr viel grüne Handschrift - vom massiven Ausbau des öffentlichen Verkehrs und der Radinfrastruktur in Vorarlberg bis zu den verkehrsberuhigten Einkaufsstraßen in Wien“, so Stefan Kaineder, Parteichef der oö. Grünen. Wegen der Grünen gebe es auch ein günstiges Öffi-Ticket und hunderttausende Haushalte müssten sich dank Sonnenkraftwerk am Dach weniger Sorgen angesichts hoher Energiekosten machen.  

Wie 1986 sei nun wieder ein Punkt erreicht, bei dem viele Menschen sagen würden, wie bisher könne es nicht weitergehen, spricht Gewessler die aktuellen Krisen von Krieg über Teuerung bis hin zum Klimawandel an. Um sie zu lösen, brauche es wie in der Vergangenheit die Grünen. Denn ÖVP und SPÖ würden nur bei den Ankündigungen stehen bleiben, die FPÖ unter Herbert Kickl habe kein Interesse am Lösen von Problemen, sondern befeuere sie sogar noch, "weil es ihr immer dann am besten geht, wenn es den Menschen im Land am schlechtesten geht".

Damals wie heute bleibt die scharfe Abgrenzung zur FPÖ Kern der grünen Politik: „Das Geschäftsmodell der Freiheitlichen ist das gleiche wie damals. Nur die Mittel sind gefährlicher. Hetze und Desinformation verbreiten sich in den sozialen Medien noch viel schneller als damals“, sagt die stv. Parteichefin Alma Zadić.

Um eine Antwort auf die aktuellen Herausforderungen zu haben, wollen die Grünen ein neues Leitbild für ihre Partei erstellen, kündigt Gewessler an. „Es geht darum zu verdichten, was der Kern einer modernen grünen Politik ist, was uns ausmacht, was unsere Werte heute aktueller macht denn je zuvor.“

Am Ende soll „kein Papier für die Schublade stehen, sondern ein verlässlicher Kompass für all die Entscheidungen, die im täglichen politischen Tun erforderlich sind“, so Gewessler.

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