Politik 21.04.2012

„Ich bin nicht gewillt, als Lügnerin dazustehen“

Heimkind spricht erneut: "Uns ist es nach den Berichten nicht gut gegangen“, sagt Eva L., 49 (Name von der Red. geändert).

Sie und ihre Schwester hatten mit ihrem KURIER-Interview im Oktober den Skandal rund um das Heim im Schloss Wilhelminenberg ausgelöst. „Das ganze politische Hickhack ist losgegangen. Mit den Angriffen der FPÖ ist alles ins Wanken gekommen“, sagt L. Nicht mehr das Schicksal der Heimkinder, sondern politisches Kleingeld sei im Vordergrund gestanden. Alleine wäre sie mit den Prügelorgien, dem systematischen Brechen von Kinderseelen und häufigen Vergewaltigungen durch fremde Männer nicht an die Öffentlichkeit gegangen. „Aber gemeinsam mit meiner Schwester habe ich den Mut dazu gehabt.“

Von Anfang der 1970er-Jahre bis 1977 waren die beiden im Heim am Wiener Wilhelminenberg untergebracht. „Das Erlebte ist in mir hochgeschwappt und der ganze Dreck an mir heruntergeronnen.“ Vor allem Kritik einiger ehemaliger Heimkinder, die systematische Vergewaltigungen nicht für vorstellbar halten, ärgert Eva L. „Ich brauche mir, nach allem was mir widerfahren ist, nicht vorwerfen zu lassen, dass ich lüge.“ Männer wären in der Nacht ins Heim gekommen (oder gelassen worden) und hätten Mädchen sexuell missbraucht. „Ich nehme nichts zurück.“

Die Heimkinder seien untereinander nicht nur liebevoll miteinander umgegangen. „Die haben auch ordentlich hingehaut. Ich habe ja selbst zugeschlagen.“ Den angestrebten Prozess, um eine höhere Entschädigung (sie hat von der Stadt Wien 35.000 Euro erhalten) will Eva L. nicht mehr in Angriff nehmen. „Das dauert bis zu vier Jahre, das halte ich nicht mehr durch.“ Es müsse endlich möglich sein, die Sache zu einem Ende zu bringen. Manchmal komme sie sich ausgenützt vor. „Wem bringt das alles was? Den Anwälten, den Medien?“ Sehr wohl wolle sie jedoch mit der Wilhelminenberg-Kommission kooperieren. „Ich werde Frau Dr. Helige alle Fragen beantworten. Nicht schriftlich, sondern von Angesicht zu Angesicht. Und dann ist es aus, dann muss Schluss sein.“

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Hintergrund

  • Hintergrund

( Kurier ) Erstellt am 21.04.2012