Politik 05.12.2011

Hunderte Morde: Killerboss in Haft

Oscar Garcia Montoya hat gestanden, an 900 Morden beteiligt gewesen zu sein. Zahlreiche Opfer hat er eigenhändig geköpft.

Spektakulärer Fahndungserfolg in Mexiko: Wie am Freitag bekannt wurde, ging der Polizei in der Nacht auf Donnerstag einer der berüchtigtsten Drogenbosse des mittelamerikanischen Landes ins Netz. In Tlalpan, einem Stadtteil der Hauptstadt Mexiko-City, verhafteten die Sicherheitskräfte Oscar Garcia Montoya , Deckname "Carlos" oder "Ricardo". Dem 36-jährigen Chef der Bande "Mano con Ojos" (Hand mit Augen) wird vorgeworfen, für 900 Morde verantwortlich zu sein, die er entweder anordnete oder selbst verübte.

In Verhören gestand Garcia Montoya laut Staatsanwalt Castillo, persönlich an 300 Morden beteiligt gewesen zu sein. 600 weitere habe er in Auftrag gegeben. Allein in Mexiko-City soll er eigenhändig 20 Menschen getötet haben. Viele wurden geköpft.

Garcia Montoya ist ein ehemaliger Marine-Elitesoldat. "Er hat darauf hingewiesen, dass seine Ausbildung speziell auf das Töten ausgerichtet war", sagte Staatsanwalt Castillo. Er sei später desertiert und habe einige Zeit als Polizist in den Bundesstaaten Baja California und Sinalo im Norden Mexikos gearbeitet.

Seit November 2010 wurde Garcia Montoya mit Morden in der Hauptstadtregion in Zusammenhang gebracht. Auf seine Ergreifung war eine Prämie in Höhe von umgerechnet 300.000 Euro ausgesetzt. Die Falle schnappte zu, bevor er seine jüngsten Mordpläne in die Tat umsetzen konnte. Laut Castillo hatte der Drogenboss vor, dieses Wochenende sechs Mitglieder seiner Bande zu enthaupten, weil diese sich angeblich absetzen wollten.

In Mexiko tobt ein blutiger Drogenkrieg, seit Präsident Calderon bei seinem Amtsantritt Ende 2006 angekündigt hatte, die Drogenmafia auslöschen zu wollen. Bei Bandenkriegen, Auftragsmorden, Schießereien und Geiselnahmen starben seither mehr als 41.000 Menschen, viele davon unbeteiligte Zivilisten.

Seltene Erfolge

Die Polizei ist oft machtlos - und resigniert. So quittierten Anfang August alle 26 Polizisten in Ascencion nahe der Drogenhochburg Ciudad Juarez an der US-Grenze den Dienst, nachdem zwei Kollegen ermordet worden waren. Die 13.000-Einwohner-Stadt ist bereits die fünfte Stadt im Bundesstaat Chihuahua, in der es zumindest vorübergehend keine Polizei mehr gab. Hin und wieder gelingen den Behörden aber wichtige Schläge gegen die Drogenmafia: So verhafteten sie vor wenigen Wochen einen weiteren Bandenchef, der 1500 Morde in Auftrag gegeben hatte.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011