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Politik
05/10/2012

Hollandes Frau: Sie machte den Präsidenten

Die Liebe der umschwärmten Journalistin ermöglichte erst den Siegeslauf von François Hollande ins Präsidentenamt.

von Danny Leder

Es gibt in Paris dieser T­age wirklich wichtige Angelegenheiten, und Valérie Trierweiler, 47, Frankreichs angehende Première Dame, schenkt ihnen auch die gebührende Aufmerksamkeit. Die Illustrierte Paris Match, bei der Trierweiler als Journalistin gearbeitet hatte, brachte einen Artikel über Thomas Hollande. Thomas, so stand in dem Artikel, "ist der älteste Sohn des Paars Royal-Hollande".

Stante pede sandte Valérie Trierweiler ein böses SMS an die Autorin und Ex-Kollegin: "Thomas ist der Sohn des EHEMALIGEN Paars Royal und Hollande. Was für ein Spiel treibst du?" Bei Match sind sie schon an Trierweilers Eifersuchtsausbrüche gewöhnt: Als die Illustrierte ein Foto brachte, auf dem Hollande und seine Ex-Lebensgefährtin Ségolène Royal ein fast zu viel sagendes Lächeln austauschten, protestierte Trierweiler umgehend.

Zugegeben: Ségolène ist nicht ganz schuldlos an der Überreaktion von Valérie. Die SP-Politikerin Royal, die 28 Jahre lang ohne Trauschein mit Hollande gelebt und vier Kinder bekommen hatte, schien lange von der Idee besessen, ihren François zurückzuerobern. Dieser hatte sich 2005 während eines Karriereknicks von Royal entfernt. Währenddessen trat sie als SP-Präsidentschaftskandidatin an, bevor sie von Sarkozy geschlagen wurde. Am Tag ihrer Niederlage ließ sie eine Erklärung verbreiten, in der sie den – unverheirateten – Hollande der "Bigamie" beschuldigte und aufforderte, "die eheliche Wohnung zu verlassen". In Wirklichkeit lebte er schon seit Jahren mit Trierweiler. Royals Beharren auf einer Hochzeit war bei ihm auf taube Ohren gestoßen. Er hatte aber Royal erlaubt, während ihres Wahlkampfes eine "Traumhochzeit" mit ihm anzukündigen.

Weiter Weg

Trierweiler und Hollande waren sich erstmals 1988 begegnet. Die damals 23-Jährige begann als Journalistin Pariser Politzirkel zu durchleuchten. Die geborene Massonneau hatte einen weiten Weg zurückgelegt. Sie war in einem Sozialbau in der Stadt Angers aufgewachsen, mit fünf Geschwistern und als Tochter eines früh verstorbenen Kriegsinvaliden. Die Mutter war Kassierin in einer Eislaufhalle.

Sie habe, so erinnert sich Trierweiler, "François von Anfang an witzig und intelligent" gefunden. Sie war in zweiter Ehe mit dem Germanistik-Spezialisten Denis Trierweiler verheiratet und hat drei Kinder. 1992 veröffentlichte sie ein Interview mit Ségolène Royal, die sich mit ihrer Neugeborenen, Flora, fotografieren ließ.

2005 werden Trierweiler und Hollande ein Paar. Aus Vertrautheit wird "urplötzlich Liebe", sagt Trierweiler: "Wir waren bis zuletzt per Sie. Es war das totale Tabu. Ich war verheiratet, er war nicht frei. Aber unsere Gefühle haben alles eingerissen." Für Hollande, der damals in Politikerkreisen als abgeschrieben galt, ist es der Beginn seines Aufstiegs. Dass sich diese umschwärmte Journalistin ausgerechnet in ihn, den pummeligen Loser, verliebt, wirkt Wunder. Als er 2009 seine Ambition für das Präsidentenamt offenbart, erntet er Hohn und Spott, nur ein Dutzend Freunde stehen zu ihm – und Valérie.

An der Seite des Kandidaten Hollande musste Trierweiler ihre Tätigkeit als Politjournalistin einstellen. Sie wurde beschattet und von einem gegnerischen Politiker als "Rottweiler" beflegelt.

Jetzt steht sie an der Pforte des Élysée und sagt: "Manchmal muss ich mich zwicken, um dran zu glauben". Sie will "als Journalistin weiterarbeiten, für mich und meine drei Kinder sorgen und nicht auf Staatskosten leben". Aber manchmal ist sie unsicher und fragt Vertraute: Hat Ségolène, die ihrerseits bei Paris Match ursprünglich die Entlassung ihrer Rivalin erwirken wollte, "das private Kapitel mit François" definitiv abgeschlossen?

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