Politik
05.12.2011

Heimkehr des umstrittenen Stars DSK

Der Ex-IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn landete vier Monate nach seiner Festnahme in New York am Flughafen in Paris.

Es war eine Show, die von der Bevölkerung mit gemischten Gefühlen verfolgt wurde: Mit Strahler-Lächeln, ein Händchen zeitweilig zum huldvollen Winken erhoben - so stellten sich gestern Dominique Strauss-Kahn (DSK) und seine Frau Anne Sinclair den Fotografen im Hof ihrer Pariser Innenstadt-Residenz.

Schon zuvor waren die beiden am Flughafen nicht nur von einem gewaltigen Pulk Journalisten empfangen, sondern auch von Dutzenden Anhängern bejubelt worden - unter ihnen auch franko-afrikanische Aktivisten der Sozialistischen Partei aus dem Vorort Sarcelles, wo DSK vormals als Bürgermeister amtierte. TV-Sender hatten auf ganztägige Sonderberichterstattung gestellt, Freunde von DSK versprachen eine "feierliche Botschaft an die Bevölkerung".

Aber DSK beschränkte sich vorerst auf zwei Sätze: "Es geht mir gut" und "auf bald". Dafür bekannte am Rande des Geschehens eine aus Sarcelles herbeigeeilte SP-Anhängerin: "Ich sage das als schwarze Frau. Um Haaresbreite wäre ein wunderbarer Politiker einem schrecklichen Justizirrtum zum Opfer gefallen. Dass der US-Staatsanwalt die Anklage fallen lassen musste, beweist doch, dass Dominique unschuldig ist."

Hingegen erklärte eine andere Sozialistin, die Regionalabgeordnete Anne Mansouret: "Diese aufgebauschte Rückkehr ist schamlos. So lange die französische Justiz über ihn nicht geurteilt hat, kann er nicht als reingewaschen gelten." Damit meinte Mansouret den Fall ihrer Tochter, Tristane Banon. Die heute 32-jährige Journalistin beschuldigt DSK, er habe versucht, sie zu vergewaltigen. Obwohl sich das 2003 ereignet haben soll, hat Banon erst vergangenen Juli, ermutigt durch die New Yorker Affäre, Anzeige erstattet. Man habe ihr zuvor zu verstehen gegeben, dass sie gegen DSK keine Chance habe. Ihre Mutter bestätigt, dass sie ihre Tochter ursprünglich bekniet habe, nicht vor Gericht zu gehen. Heute bereue sie das.

Bürger gegen Polit-Comeback

Wahrscheinlich wird auch dieses Verfahren mangels Beweisen zu keinem Prozess führen. Aber DSK gilt nunmehr als jemand, der sich gegenüber Frauen zumindest grenzwertig gebärdet. Laut einer Umfrage lehnen 80 Prozent der Franzosen sein Polit-Comeback ab. Und bei den Sozialisten, die im Oktober ihren Kandidaten für die Präsidentenwahlen 2012 küren werden, sind jetzt die meisten Bewerber um Distanz gegenüber DSK bemüht.