Politik 19.04.2012

Giftanalyse: Haare und Nägel geben Auskunft

Im Fall Bogumila W. soll ein hochkarätiges CSI-Team um den Gerichtsmediziner Christian Reiter klären, ob die Männer vergiftet worden sind.

Seit 27. März sitzt die 51-jährige Bogumila W. in Krems in U-Haft. Die Leichen von zwei Männern, deren Lebensgefährtin bzw. Pflegerin sie war, wurden exhumiert. Ein hochkarätiges CSI-Team um den Gerichtsmediziner Christian Reiter soll klären, ob die Männer vergiftet worden sind. Beim 68-jährigen Herbert Ableidinger wurde in einer Gewebeprobe eine hohe Konzentration Arsen gefunden. Beim 61-jährigen Alois F. könnte Pflanzengift (Herbstzeitlose) zum Tod geführt haben.

Die Analysen werden einerseits im Forschungszentrum Seibersdorf vom Leiter des Doping-Kontroll-Labors, Günter Gmeiner, durchgeführt, der von dem aus der Pension geholten Chemiker Walter Vycudilik unterstützt wird. Vycudilik hat gemeinsam mit Reiter die als „Schwarze Witwe" berühmt gewordene dreifache Giftmörderin Elfriede Blauensteiner überführt.

Andererseits sind auch Chemiker auf der Universität für Bodenkultur eingesetzt, weil die Boku laut Reiter über die besten Geräte zur Analyse von Schwermetallen (Arsen) verfügt. Kommende Wochen sollen die Ergebnisse vorliegen. Laut Reiter werden jeweils rund 100 Haare der Toten „von der Wurzel bis zur Spitze" in Fünf-Millimeter-Stücke „aufgetrennt", also geschnitten und unter dem Mikroskop untersucht.

„Wie bei den Wachstumsringen eines Baumes" könne man daran erkennen, in welchem Lebensabschnitt dem Körper welche Substanzen zugefügt wurden. Das Haar des Menschen wächst im Schnitt 0,3 mm am Tag, jeder Fünf-Millimeter-Schnitt erzählt also jeweils etwas über 14 Tage. Das Team in Seibersdorf kümmert sich um die Haare, auf der Boku werden die Fingernägel der Toten analysiert. Auch daraus kann man ableiten, welche Substanzen sich zu Lebzeiten im Körper befanden.

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( Kurier ) Erstellt am 19.04.2012