Politik 05.12.2011

Feinstaub: Sorgt Putzfrau für Rekordwerte?

© Bild: KURIER/Gnedt

Direkt neben der Rekord-Messstelle in Wien wird gebaut und täglich von einer Putzfrau jede Menge Staub entfernt. Leibnitz als "Feinstaub-Hauptstadt".

Die Grenzwerte bei Feinstaub sind antiquiert, die Messmethoden umstritten. Industrie und Politik filtern mit großem Aufwand den falschen Staub aus der Luft." So titelte die deutsche Die Zeit im Jahre 2005. Zum Teil passt dieses Bild auf die aktuelle Lage in Österreich. Die Feinstaubwerte sind hoch. Eine Änderung der Lage ist erst am Wochenende in Sicht und kein Politiker will sofort handeln. Viel mehr wird über Maßnahmen weiter debattiert.

Gruß aus Schilda

Das Messgerät im Vordergrund, dahinter sorgt Bedrettin Isik beim Putzen für die höhere Staubbelastung.
© Bild: KURIER/Gnedt

Nicht überall sind gemessene Grenzwertüberschreitungen auf Hausbrand, Autoverkehr oder Industrie zurückzuführen. Das ergab am Mittwoch ein Lokalaugenschein des KURIER. Denn im Fall des Wiener Rekordhalters am Belgradplatz in Favoriten könnte in den vergangenen Monaten auch eine Putzfrau neben einer Baustelle für so manch erhöhten Feinstaubwert gesorgt haben.

Knapp neben der Messstelle verläuft der künstliche Stock einer Baucontainerlandschaft. "Hier wird jeden Tag fleißig geputzt", berichtet Polier Helmut Feilmayr. Seine Putzfrau oder Arbeiter wie Bedrettin Isik kehren an dieser Stelle öfters den zurückgelassenen Bauschutt des Tages zusammen - direkt neben dem Messzapfen am Dach des kleinen Betonbunkers der MA 22.

Beeinflussung

"Intern hat die Messstelle am Belgradplatz wegen der Baustelle ein Sternchen in den Berichten", sagt Roman Augustyn Magistrat Wien. Schließlich wird 25 Meter weiter gerade ein Haus saniert. Die Staubbelastung dadurch war in den vergangenen Monaten sehr hoch, bestätigt Feilmayr.

Auf der Homepage des Umweltbundesamtes, wo die Werte veröffentlicht werden, ist von diesen lokalen Einflüssen nichts zu lesen. "Bautätigkeit beeinflusst die Messung auf jeden Fall, Putztätigkeit kann Einfluss haben, aber das ist eher unwahrscheinlich", bemüht man sich bei der MA 22 abzuschwächen. Die Messungen am Belgradplatz wurden daraufhin noch einmal genauer kontrolliert und laut Augustyn soll die Putztätigkeit nur einen sehr geringen Einfluss auf den Messwert haben.

"Feinstaub-Hauptstadt"

Im südsteirischen Leibnitz tragen die Bewohner den unrühmlichen Titel "Feinstaub-Hauptstadt" indes mit Fassung. Camilla Gasia etwa nimmt die dicke Luft mit Humor. "Ich brauche kein Auto. Ich fahr' Kinderwagen", sagt die 28-Jährige. "Für die Umwelt wird nicht viel getan. Das ist leider so."

An 65 Tagen bereits wurden 2011 die Feinstaub-Werte überschritten, das ist österreichweiter Rekord. "Unser großes Problem ist, dass zwei Drittel der Ursachen von außen und nicht aus Leibnitz kommen", bedauert SPÖ-Bürgermeister Helmut Leitenberger. Die Hälfte der Kfz-Belastung sei Durchzugsverkehr. "Aber wir versuchen zu tun, was nur geht. Wir kehren und waschen die Straßen regelmäßig. Wir haben die Heizungsanlagen der Gemeinde adaptiert." Leibnitz probiert auch etwas Neues aus: Ein Gerät zum Luftwaschen steht neben der Volksschule. Es saugt die Luft aus verschiedenen Höhen ein, reinigt sie und bläst sie wieder aus. Die Wirkung ist allerdings auf einen Umkreis von 150 Meter beschränkt.

Gleich nach Leibnitz folgt Graz in der Statistik: 60 Überschreitungstage an der Messstelle Don Bosco neben einer Durchzugsstraße, 45 Tage in Graz-Mitte. Anlass für die grüne Vizebürgermeisterin Lisa Rücker, tage- oder stundenweise Fahrverbote einzufordern.

Verursacher Industrie, Gewerbe, Hausbrand und Verkehr

Das Messgerät im Vordergrund, dahinter sorgt Bedrettin Isik beim Putzen für die höhere Staubbelastung.
© Bild: KURIER/Gnedt

Feinstaub ist ein Teil des Schwebstaubes und wird über die Größe der jeweiligen Partikel definiert (etwa PM10), die eingeatmet werden können. Die Hauptverursacher für Feinstaub sind regional, auch jahreszeitlich bedingt unterschiedlich. Zudem spielt etwa gerade in Nordostösterreich der Ferntransport von Partikeln aus Nachbarländern eine Rolle.

Nach Untersuchungen des Umweltbundesamtes zählen österreichweit (über ein Jahr betrachtet) die Bereiche Verkehr, privater Hausbrand, Industrie sowie Gewerbe zu den Hauptverursachern ( siehe Grafik ). Beim Verkehr sind es vorwiegend die Abgase aus Pkw und Lkw mit alten Dieselmotoren (ohne Partikelfilter). Brems- und Reifenabrieb, Aufwirbelung auf der Straße sorgt ebenfalls für Feinstaub.

Alte Öfen, in denen feste Brennstoffe wie Holz, Biomasse, Kohle verheizt werden sind beim Kleinverbrauch meist die Emissionslieferanten. Im Bereich Industrie/Gewerbe zählen die Bauwirtschaft bis hin zum Bergbau sowie kleinere Industrieanlagen zu den Staublieferanten.

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Erstellt am 05.12.2011