Bundeskanzler Werner Faymann braucht Make-Up für öffentliche Auftritte im Scheinwerferlicht

© KURIER/Franz Gruber

Faymann legt seine Make-up-Kosten offen
09/11/2015

Faymann legt seine Make-up-Kosten offen

21.786 Euro gab das Bundeskanzleramt seit Beginn der Legislaturperiode für Visagistendienste aus.

von Peter Temel

Zwei Jahre ist es her, dass Werner Faymann (SP) unter die Top 10 der stilsichersten "World Leader" gewählt wurde. Verantwortlich dafür war damals laut Vanity Fair die Haarpracht des Bundeskanzlers. Nun waren die Herstellungskosten des öffentlichen Äußeren Faymanns Thema einer parlamentarischen Anfrage. Aus Faymanns Beantwortung geht hervor, dass seit Beginn dieser Legislaturperiode, also in knapp zwei Jahren, 21.786 Euro für die optische Optimierung des Kanzlers ausgegeben wurden. Die Anfrage "Einsatz von Visagisten, Stilberatern und Friseuren auf Steuerzahlerkosten" wurde vom Team Stronach eingebracht.

Faymann gab in seiner schriftlichen Beantwortung allerdings an, keine Farb-, Stil- oder Typberatung auf Budgetkosten in Anspruch genommen zu haben. Gleiches gelte für Friseurleistungen. Die Kanzlerfrisur, die Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (VP) laut seinem Wordrap im ORF-Sommergespräch an seine eigene erinnert, entsteht demnach also nicht mit Mitteln aus Steuertöpfen.

382 Euro pro Visagistentermin

Sehr wohl aber würden die "üblichen Visagistendienstleistungen" in der Vorbereitung auf diverse Termine und Veranstaltungen als "Werkleistungen durch Dritte“ verbucht. 57 Termine gibt Faymann an, für die seit dem Oktober 2013 Kosten in diesem Zusammenhang angefallen seien. Im Schnitt würde dies somit 382 Euro an Make-up-Kosten pro Auftritt ergeben. Abgerechnet würden diese auf Grundlage einer Rahmenvereinbarung mit der Cinnamon GmbH. Das auch in Österreich ansässige deutsche Personalvermittlungsunternehmen ist auf "Hostessen & Promotion" spezialisiert.

Service nicht nur für Faymann

Vonseiten des Bundeskanzleramts wird darauf hingewiesen, dass es sich um Veranstaltungen, Konferenzen und medienöffentliche Termine handelt, wo das Service eines Visagisten allen auftretenden Teilnehmenden zur Verfügung gestellt werde. Weiters heißt es, dass nur bei rund 15 Prozent aller medienöffentlichen Termine Visagisten-Leistungen in Anspruch genommen werden.‎ Sektionschef Manfred Matzka sagt dazu: "Im Rahmen von Veranstaltungen und insbesondere vor medienöffentlichen Terminen wurde den auftretenden Teilnehmenden, wie zum Beispiel Laudatoren, Geehrten, PolitikerInnen, das Service geboten, auf Visagisten-Leistungen zurückzugreifen. Seit November 2013 wurden Visagisten-Leistungen des gesamten Bundeskanzleramts in der Beantwortung der Anfrage zusammengefasst“.

Schmieds Airbrush

Schminkkosten bei Politikern waren bereits Gegenstand öffentlicher Diskussionen. 2009 wurde publik, dass die damalige Unterrichtsministerin Claudia Schmied ( SPÖ) für zehn Airbrush-Make-ups 1440 Euro ausgegeben hat - im Rahmen des Repräsentationsbudgets ihres Ressorts. Mitten im Lehrer-Konflikt machten diese Meldungen keinen schlanken Fuß.

Damals kündigte die Noch-Parlamentspartei BZÖ an, sich auch die Schminkkosten des Bundeskanzlers anschauen zu wollen. Faymann hatte 2009 eingeräumt, zwei Mal Visagistendienste in Anspruch genommen zu haben, einen Termin hätte er dem Bundeskanzleramt verrechnet, den zweiten der SPÖ. Diesen Juli hat Stronach-Mandatarin Martina Schenk schließlich jene parlamentarische Anfrage eingebracht, die Faymann nun beantwortet hat. Schenk ist 2013 vom BZÖ zum Team Stronach gewechselt.