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Politik
05/08/2012

Fairplay-Handy: Schock bei Rechnung

Ein Botenfahrer, der 4720 € zahlen sollte, zwang den Handy-Betreiber in die Knie. Seit 1. Mai gibt es eine Kostenbegrenzung.

von Ricardo Peyerl

Der Wiener Botenfahrer Said Agoubi ist für seine Kunden äußerst mobil, aber finanziell kann er keine großen Sprünge machen. Mit den 1000 Euro, die er im Monat verdient, muss er Frau und Kind durchbringen. Der Handy-Tarif „Fairplay" war für ihn genau richtig: 20 Euro Grundgebühr für unlimitiertes Telefonieren und Internet-Surfen. Dann der Schock, als ihm Handy-Betreiber T-Mobile eine Rechnung von 4720 Euro schickte. Pro Megabyte (MB) Datenvolumen wurden fünf Euro verrechnet.

„Ich hätte fünf Monate nur für T-Mobile arbeiten gehen müssen", sagt Agoubi im Gespräch mit dem KURIER: „Wie soll das gehen?" Der Botenfahrer war nach Abschluss des Handyvertrages in Sorge gewesen, dass trotz des Fairplay-Abkommens womöglich doch höhere Kosten entstehen und hatte in einer Filiale des Betreibers – was dieser bestreitet – sogar extra den Internet-Zugang sperren lassen. Offenbar klappte das aber nicht, und wurde bei dieser Gelegenheit der Tarif auf „Data Fun" umgestellt.

Bei „Data Fun" ist Schluss mit lustig. Agoubi bekam das nicht mit. Und als er ausprobierte, ob der Internet-Anschluss gesperrt ist, müssen zusätzliche Kosten aufgelaufen sein. Agoubi zahlte nicht und wurde geklagt: Der Handy-Betreiber forderte den Preis für 668 MB verbrachtes Datenvolumen samt Mahnkosten und Spesen.

 

Wucher?

Und dann geschah Bemerkenswertes: Agoubis Anwalt Gerold Beneder – Experte im Konsumentenschutz – ließ schwere Geschütze auffahren. Er argumentierte im Prozess, dass mit dem Begriff „Fairplay" branchenweit ein unlimitiertes Surfen beworben wird. Der Kunde habe nicht damit rechnen müssen, dass so hohe Kosten auflaufen. Beneder stellte sogar den Straftatbestand des Sachwuchers („Wer die Zwangslage, die Unerfahrenheit oder den Mangel an Urteilsvermögen eines anderen ausbeutet ...") in den Raum.

Man mag es als Kulanz von T-Mobile betrachten, jedenfalls wurde die Klage unter Anspruchsverzicht zurückgezogen. Mehr noch: Es wurden sogar noch Agoubis Verfahrenskosten von 1000 Euro übernommen.

Der Botenfahrer ist übrigens (wahrscheinlich) der letzte Handy-Kunde, dem so etwas widerfahren kann. Seit 1. Mai ist eine neue Verordnung gültig, die eine Kostenbeschränkung in Österreich vorsieht. Auch wer das vereinbarte Datenvolumen überschreitet, braucht nicht mehr als maximal 60 Euro zahlen. Außerdem muss er beim Erreichen der Grenze bzw. beim Stand von 30 Euro vom Betreiber per SMS gewarnt werden.

 

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