Politik
02.01.2012

Es staubt weiter in den Städten

Allen politischen Lippenbekenntnissen zum Trotz: Die Luft hat sich im Vergleich zum Vorjahr weiter verschlechtert.

Ulla Rasmussen ist Realistin. „2011 war kein gutes Jahr für die Luftqualität“, sagt die Expertin des Verkehrsclubs Österreich (VCÖ). 141 Luftqualitätsmessstellen gibt es in Österreich, bei 76 davon waren die Feinstaubwerte eklatant oft zu hoch. Während die Werte im ländlichen Bereich meist im Rahmen blieben, sind vor allem die großen Städte wie Wien und Graz Feinstaub-Hochburgen.

Grenzwertig

In Wien wurde bei allen 13 Messstellen der Jahresgrenzwert überschritten. Am höchsten war die Feinstaubbelastung in der Rinnböckstraße in Simmering mit 61 Tagen über dem Grenzwert. „Eine noch schlechtere Bilanz wurde nur durch günstige Wetterbedingungen im Dezember verhindert“, erklärt Rasmussen, die weiter eine Umweltzone für Wien fordert.

Noch schlechter waren die Feinstaubwerte in Graz, „Sieger“ ist jedoch Leibnitz mit 76 Tagen, wobei die Steiermark generell mit viel Feinstaub „gesegnet“ ist.

Aber auch Wolfsberg mit 54 Tagen ist bedenklich weit nach vorne gerutscht. Auffallend ist Vorarlberg. Trotz Industrie im Rheintal sind im westlichsten Bundesland die Tage hoher Feinstaubbelastung äußerst gering. „Das liegt einerseits an der guten topografischen Lage, Wien und Graz liegen mehr in einem Kessel“, sagt Rasmussen. „Andererseits sind die Öffis in Vorarlberg vorbildhaft ausgebaut und der Radverkehr höher als im Rest des Landes.“

Feinstaub kann zu Lungenschäden und Herz-Kreislauferkrankungen führen. Vor allem ältere Menschen und Kinder sind gefährdet. Besonders gefährlich sind die ultrafeinen Partikel, die vor allem von Dieselfahrzeugen ausgestoßen werden. „Je kleiner, desto gefährlicher sind diese Partikel“, erklärt Rassmussen.

Effektive Maßnahmen, wie die Einführung einer Umweltzone, bei der keine alten Fahrzeuge ohne Partikelfilter mehr in die Städte dürfen, blieben aber 2011 sowohl in Wien als auch in Graz aus. Immerhin will Wiens Umweltstadträtin Ulli Sima jetzt alte LKW verbannen. In Graz sollen ab 1. Februar entsprechende Taxis und Lastautos verschwinden, kündigte der steirische FPÖ-Umwelt- und Verkehrslandesrat Gerhard Kurzmann zuletzt an.