Es geht um Gehorsam oder freies Gewissen

Peter Rabl
Foto: KURIER - Boroviczeny Peter Rabl

Papst und Kardinal mahnen Priester, aber die Kirche bewegt sich doch.

Ostersonntag, das ist einer jener ganz wenigen Tage mit vollen Kirchen. Bei vielen Messbesuchern mehr Brauchtum als echter Glaube, aber immerhin noch aufrechter Kontakt von kaum noch Glaubenden. Von Zweifelnden, auch von Verzweifelten am Zustand ihrer Kirche. Aber gerade in diesen Tagen gab es Zeichen, dass sich die als allzu starr erlebte katholische Amtskirche doch bewegen kann.

Am auffallendsten war wohl die Predigt des Papstes vor 3000 Priestern in Rom. Völlig überraschend ging Benedikt XVI. auf die österreichische Pfarrerinitiative ein. Fast schon sensationell der Ton des konservativen Ratzinger.

Ausdrücklich attestierte er den 400 protestierenden österreichischen Klerikern gute Absicht und die Überzeugung, "die Trägheit der Institutionen mit drastischen Mitteln in Angriff zu nehmen, um neue Wege zu öffnen".

Deutlich infrage stellte der Papst den Ungehorsam, zu dem die Pfarrer-Initiative aufruft als einen Weg, der "nicht mit der Haltung Jesus’ konform" sei. Bei aller eindeutiger Ablehnung vor allem der Forderung nach der Priesterweihe von Frauen verzichtete Benedikt aber auf jede klare Verurteilung der Initiative.

So war es denn für den Motor und Sprecher der Pfarrerinitiative Schüller vor allem "wichtig, dass der Papst keine Konsequenzen angedroht hat. Wir sind für ihn Teil der Kirche."

Knackpunkt Ungehorsam

Unverkennbar ist bei dem gewiss nicht aller Eitelkeit abholden Pfarrer Schüller der Stolz, mit seiner Initiative durch die Papst-Predigt so anerkannt und aufgewertet zu sein. Bereitschaft zur Korrektur eigener Positionen ließ der streitbare Prälat nicht erkennen. Dabei konzentriert sich die Kritik an der Initiative beim Papst und beim Wiener Kardinal Schönborn auf ihren Titel "Aufruf zum Ungehorsam".

Und da fällt es tatsächlich schwer, das sture Beharren auf diesem Knackpunkt zu verstehen. Tatsächlich lässt sich der Ungehorsam trefflicher mit dem freien Gewissen und daraus kommenden Handlungen ersetzen. Oder auch mit Respekt vor anderen, wie es der Caritas-Präsident Küberl anregt. In diesem Geist wird ja an der Kirchenbasis schon gelebt, mit Lockerungen für geschiedene Wiederverheiratete oder bei Laien-Gottesdiensten.

Kardinal Schönborn hat eigene Gewissensentscheidung gerade selbst vorgelebt. Indem er auf den möglichen Einspruch gegen die Wahl eines niederösterreichischen Pfarrgemeinderates verzichtete, der in homosexueller Partnerschaft lebt. Mit der Formulierung, er habe das "auf meine Kappe genommen", verweist Schönborn selbst darauf, dass diese Entscheidung nicht gerade den Betriebsanleitungen der Amtskirche entspricht.

Schönborn hat diesen seinen Regelverstoß sehr grundsätzlich begründet: "Ich frage mich in diesen Situationen, wie hat Jesus gehandelt. Er hat zuerst den Menschen gesehen."

Menschlichkeit vor Regeln, freies Gewissen vor Gehorsam. Eine Art Osterbotschaft über den Tag hinaus.

(kurier) Erstellt am
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