Politik 18.12.2011

Erster Ruf nach einem Rücktritt von Wulff

© Bild: dapd

Täglich neue, widersprüchliche Details um einen günstigen Privat-Kredit beschädigen den deutschen Bundespräsidenten und sein Amt stark.

Hat Wulff gelogen?“ und „Zweifel an Wulffs Aussagen“ – solche Schlagzeilen seriöser Medien sind für ein Staatsoberhaupt fatal. „Versteckspiel“ und „Haarspalterei“ nehmen sich daneben geradezu harmlos aus. Der Umgang des Bundespräsidenten mit dem nun aufgedeckten Privat-Kredit einer befreundeten Unternehmer-Familie beschädigt Wulffs Ansehen.

Die Stimmen mehren sich, dass schon die Annahme des günstigen 500.000-Euro-Kredits als Regierungschef Niedersachsens 2008 gesetzeswidrig war: Die Welt zitiert angesehene Staatsrechtler, die dies als gesichert sehen. Der FDP-Abgeordnete Erwin Lotter forderte am Samstag als Erster den Rücktritt Wulffs als „Gebot des Anstands und der Verantwortung“. Auch SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles fordert Aufklärung: Angesichts der Vorwürfe „reicht ein Bedauern nicht“.

Doch bisher unterschätzt Wulff die Brisanz des täglich neuen Materials. Wie günstig er nach seiner Scheidung 2008 das neue Eigenheim für seine zweite Frau mit dem

Privat-Darlehen finanzierte, rechnete ein Finanzblatt vor: 60.000 Euro hätte er sich durch niedrige Zinsen und die Nicht-Besicherung erspart.

 

Bild hatte am Montag aufgedeckt, dass Wulff gegenüber dem Landtag in Hannover den Kredit verschwiegen hatte, als er Auskunft über Geschäftsbeziehungen mit dem Unternehmer Egon Geerkens geben sollte. Wulffs Rechtfertigung: Er habe den Kredit ja von Geerkens Frau bekommen. Doch das ist zweifelhaft. Die früher vermögenslose und nicht arbeitende Frau Geerkens zu Bild : „Ich habe mit alldem nichts zu tun.“

Ihr Mann behauptet, den Scheck über 500.000 Euro habe er seinem alten Freund Wulff zwar selbst übergeben, das Geld habe aber seine Frau gehört und stammte von einem gemeinsamen Konto des Paares.

Der Spiegel fasst die Stimmung angesichts all dieser Unklarheiten in seinem neuesten Titel zusammen: „Der falsche Präsident.“

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Hintergrund

Erstellt am 18.12.2011