Politik
21.03.2012

"Er handelt, um zu töten"

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy zeigte sich vom brutalen Vorgehen des Attentäters sichtlich geschockt.

Augenzeugen des Anschlages auf die jüdische Ozar-Hatorah-Schule in Toulouse wollen gesehen haben, dass der Täter eine kleine Kamera um den Hals trug. Was diese möglicherweise filmte, könnte schrecklicher nicht sein: Ein kleines, schreiendes Mädchen, das weglaufen will, nachdem neben ihr der Religionslehrer der Schule und dessen beiden Söhne erschossen wurden. Doch die achtjährige Miriam Monsonego kommt nicht weit. Der Angreifer packt sie an den Haaren, setzt ihr die Pistole an den Kopf. Die hat Ladehemmung. Worauf der schwarz gekleidete Mann, während er die weinende Tochter des Schuldirektors noch immer an den Haaren zerrt, seelenruhig eine andere Waffe zieht und ihr in den Kopf schießt.

„Dieser Mann lässt seinen Opfern keine Chance“, sagte der sichtlich geschockte Präsident Nicolas Sarkozy nach dem Anschlag. „Jedes Mal, wenn er in Aktion tritt, handelt er, um zu töten.“ Dass der Verursacher des Blutbades vor der jüdischen Schule ein Serientäter ist, davon gehen die französischen Behörden bereits aus: Sieben Tote und zwei Schwerstverletzte bei drei Angriffen innerhalb von neun Tagen ist die Schreckensbilanz eines Attentäters, der immer nach dem selben Muster vorgeht: Er fährt mit einem kurz zuvor gestohlenen Yamaha-Motorroller vor, fürchtet dabei keine Augenzeugen, rempelt einige von ihnen sogar zur Seite. Er nähert sich seinen Opfern auf kurze Distanz und zielt auf deren Kopf. In allen drei Fällen war die Mordwaffe eine halbautomatische Handfeuerwaffe vom Kaliber 11,43 Millimeter.

Unklare Motive

Die Art der Waffe und die kaltblütige Vorgehensweise des Täters lassen die Polizei vermuten, beim Angreifer könnte es sich um ein aktives oder ehemaliges Mitglied des Militärs handeln. Auch bei den Motiven des Mörders tappen die Behörden noch immer im Dunkeln: Ist er ein antisemitischer, rassistischer Einzeltäter? „Er wählt seine Opfer genau dafür aus, wofür sie stehen“, glaubt man in der Pariser Staatsanwaltschaft bereits zu wissen. Durch seine Hand starben Juden und drei junge Soldaten, deren Eltern aus Nordafrika und den Antillen nach Frankreich eingewandert waren.