Politik 05.12.2011

Dugard spricht über ihr Sex-Martyrium

Die US-Amerikanerin bekam zwei Kinder von ihrem Peiniger, der sie gemeinsam mit seiner Frau 18 Jahre gefangen gehalten hatte.

Das Gute gewinnt", sagt Jaycee Dugard zu ABC-Journalistin Diane Sawyer und lächelt. Am Sonntag, dem 20. Jahrestag ihrer Entführung durch Phillip und Nancy Garrido, hat sie zum ersten Mal öffentlich über die 18 Jahre Gefangenschaft in einem dreckigen Hinterhof in Kalifornien gesprochen.

"Ich habe versucht, nicht zu weinen", sagt die heute 31-Jährige gefasst. "Wissen Sie, mit den Händen in Handschellen konnte ich die Tränen nicht wegwischen. Dann wäre das ganze Gesicht verklebt und das beginnt dann zu jucken."

Vom Schulweg ins Verlies

Jaycee (rechts) beim Interview mit Diane Sawyer
© Bild: rts

Jaycee Dugard war am 10. Juni 1991 auf dem Weg in die Schule in Lake Tahoe, Kalifornien. Die 11-Jährige ärgerte sich gerade darüber, dass ihre Mutter ihr keinen Abschiedskuss gegeben hatte ("ich dachte mir, am Abend werde ich ihr das vorwerfen"), als ein Auto auf der einsamen Straße neben ihr stehen blieb. Phillip Garrido beugte sich aus dem Fenster. Plötzlich spürte Jaycee einen Stich und fiel wie gelähmt um. Mit einer Art Elektroschocker hatte er sie niedergestreckt. Nancy, die Frau des verurteilten und wieder freigelassenen Sexualstraftäters, die ihrem Mann "einen Gefallen tun wollte", saß am Steuer.

"In einem einzigen Moment änderte sich die Welt", sagt Dugard heute. Ab diesem Moment war Jaycee eine Gefangene. Fast täglich verging sich Phillip an ihr. Er sagte, er habe ein Sex-Problem und Jaycee würde ihn davon abhalten, sich an anderen Mädchen zu vergehen. Nancy unterstützte Phillip dabei. "Irgendwie ... ist sie genauso böse wie Phillip", sagt Dugard.

Mit 14 Jahren, 1994, gebar Jaycee ihr erstes Kind - gezeugt vom Entführer - ohne ärztliche Hilfe. 1997 folgt das zweite.

Jaycee (rechts) beim Interview mit Diane Sawyer
© Bild: rts

Rund 60-mal klopfen in den 18 Jahren Polizisten an die Tür der Garridos, sehen sich sogar im Haus um. Doch dass die vermisste Jaycee Dugard im Garten gefangen gehalten wird, findet keiner heraus.

In ihren Memoiren "A stolen life", die heute in den USA erscheinen, erzählt Dugard von der Entführung, den Vergewaltigungen, Glücksmomenten mit den Babys, Momenten der Hoffnung, wenn sie an ihre Mutter dachte. Sie schrieb sich Details vom Leib, die sie öffentlich nicht aussprechen könnte.

Geräusche und Gerüche

Heute geht es Jaycee gut. Sie lebt mit ihren Töchtern in Freiheit, ihre Mutter ist so oft es geht an ihrer Seite. Doch immer wieder holt Jaycee die Vergangenheit ein. Manchmal hört sie noch das Schloss einrasten, das sie am 10. Juni 1991 erstmals einsperrte. "Gewisse Geräusche und Gerüche lassen dich einfach nicht mehr los."

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011