Die Lügen der "Schwarzen Witwe"

In diesem Plattenbau wohnte Bogumila W. mit Mann und Sohn
Foto: Alfred Schwarz In diesem Plattenbau wohnte Bogumila W. mit Mann und Sohn

ORF-Team auf den Spuren der Mordverdächtigen im Giftkrimi: Sie ist keine Krankenschwester, und ihr Mann lebt.

Auf den ersten Blick ist Tuchow eine polnische Kleinstadt wie viele andere. Hier gibt es jedoch keine Industrie, die Menschen leben von Gewerbe und Handwerk und ein wenig Tourismus. Es ist nicht leicht, Arbeit zu finden. Vor allem die Frauen haben es schwer. Viele von ihnen verdienen ihr Geld in Deutschland oder Österreich als Pflegekräfte. Nach der Qualifikation wird da oft nicht gefragt. Aus diesen Gründen dürfte auch Frau Bogumila W., die verdächtige polnische Krankenpflegerin, nach Österreich gekommen sein.

Gelebt hat sie bis vor wenigen Jahren mit Ehemann und Sohn in einer 48-Quadratmeter-Wohung in einem Plattenbau. In Österreich hat sie behauptet, geschieden zu sein. Aber das stimmt nicht, wie wir am örtlichen Standesamt herausfinden konnten. Sie ist verheiratet, ihr Mann arbeitet als Hausmeister in einem Kindergarten und hat dort einen guten Ruf. Er ist von der Unschuld seiner Frau überzeugt, die ja verdächtigt wird, in Österreich zwei ältere Männer vor deren Tod vernachlässigt und möglicherweise sogar vergiftet zu haben. Sprechen will Herr W. mit uns nicht, davon hat ihm sein Anwalt abgeraten.

 

Gefälscht

Wir finden heraus, dass Bogumila W. in mehreren Fragen die Unwahrheit gesagt hat. Sie ist nicht geschieden, wie sie der österreichischen Polizei erzählt hat, und auch den Männern, die sie „betreut" hat und die dann gestorben sind.

Auch ist sie keine Krankenschwester. Ihr Diplom ist gefälscht. Sie hat nach zweimonatigem Studium die Krankenschwester-Schule abgebrochen, wie man uns in der Schuldirektion bestätigt. Gearbeitet hat sie dann mehrere Jahre als sogenannte „Sozialarbeiter-Aspirantin". Das bedeutet in Polen die Arbeit in einem Sozialamt ohne jede Ausbildung und ohne Entscheidungbefugnis. Sie wurde zu Sozialhilfeempfängern geschickt, um deren Daten zu erfassen. Ihre Vorgesetzten haben ihr nahegelegt, sich weiter zu bilden, was sie aber nicht getan hat.

Schon vor 20 Jahren hat sie um einen unbezahlten Urlaub gebeten, weil sie offenbar nach Österreich gefahren ist, erzählt ihre damalige Chefin. Als sie den Urlaub dann noch verlängern wollte, wurde dieser Wunsch abgelehnt und daraufhin das Arbeitsverhältnis aufgelöst.

Anschließend arbeitete sie als Verkäuferin in einem Elektrowarengeschäft. Angeblich hat es Unstimmigkeiten gegeben, auch diese Arbeit wurde nach drei Jahren beendet. Diejenigen, die sich in Tuchow vage an sie erinnern können, beschreiben sie als ruhig und besonnen. Ihr Mann ist äußerst beliebt, wird als freundlich und umgänglich beschrieben.

Einvernahme

Und welche Rolle spielte der Sohn? Er wurde kürzlich von den österreichischen Behörden einvernommen. In Tuchow und Umgebung hatte er zwei kleine Spielsalone. Beide sind inzwischen geschlossen. Er soll groß sein, mit dem Ansatz einer Glatze. Wenn die Angaben stimmen, ist er verheiratet und hat einen kleinen Sohn. Derzeit wird geprüft, ob er seiner Mutter geholfen hat, als Mitwisser die von ihr unter zweifelhaften Umständen geerbten Vermögenswerte nach Polen transferiert zu haben. Es gilt die Unschuldsvermutung. Vom schrecklichen Verdacht der Giftmorde ist in Tuchow noch nichts bekannt.

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(kurier / Alfred Schwarz, TUCHOW) Erstellt am
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