Die Käsekrainer wird zum Käsegriller

Schwere Zeiten Schmiedbauer spricht von Umbruchszeiten, teuren Därmen und Wurst essenden Chinesen
Foto: KURIER/Christandl Schwere Zeiten Schmiedbauer spricht von Umbruchszeiten, teuren Därmen und Wurst essenden Chinesen.

Würstlmulti Wiesbauer sichert sich Käsegriller als Markennamen. Sloweniens Chancen im Patentstreit stehen gut.

Für Würstelbaron Karl Schmiedbauer geht’s nicht nur um die eine, sprichwörtliche Wurst. Für den Wiener geht es um 150 Tonnen Käsekrainer, die er Jahr für Jahr verkauft – und somit um sehr viel Geld. „Das bleibt für die heimische Fleischindustrie nicht ohne Folgen“, prophezeit der Chef des Wiener Wurstriesen Wiesbauer. „Was kommt als Nächstes: Das Ende der Frankfurter oder der Polnischen?“

Seit das Nachbarland Slowenien bei der Europäischen Union dafür rittert, die „Krainer Wurst“ zur geschützten Marke zu machen, ist den österreichischen Würstelmultis angst und bang. Denn geht der Antrag durch, wäre es das Ende der Krainer und der Käsekrainer in ganz Österreich (der KURIER berichtete) . Wirtschaftskammer und Lebensministerium haben angekündigt, Einspruch gegen den slowenischen Antrag einzulegen.

Doch Schmiedbauer will sich nicht auf den Minister verlassen müssen. Er sorgt vor. Mitte dieser Woche pilgerte der Wiener aufs Patentamt, um sich den Namen „Käsegriller“ zu sichern. „In Umbruchszeiten“, tönt er wie ein taktierender Kriegsherr, „muss man die Nase vorne haben. Sonst verliert man.“ Zwar verkauft die Firma ihre Wurst schon länger als Griller, „doch in Zeiten wie diesen brauchen wir Sicherheit. Sonst kommen noch andere auf die Idee“.

 

Verlorene Würstelschlachten

Die Sorgen Wiesbauers kommen nicht von ungefähr. Denn die Chancen eines Einspruchs in Brüssel sind nicht besonders aussichtsreich. Die Argumentation, dass es sich bei Wurstnamen um Lebensmittelgattungen handelt und deshalb für ein Land nicht geschützt werden können, griff in der Vergangenheit schon öfter zu kurz – etwa beim „Olmützer Quargel“ oder den „Karlsbader Oblaten“. „Die Eintragung dieser Bezeichnungen konnte von Österreich nicht verhindert werden“, schreibt Innungsboss Reinhard Kainz in der aktuellen Ausgabe des Branchenblatts Fleischer.

Kainz ruft zum Kampf um die heimische Wurstkultur auf. In den nächsten Monaten soll erhoben werden, wie viele Krainer in der hiesigen Fleischwirtschaft produziert werden. Dann dürfte der Einspruch durch das Lebensministerium erfolgen. „Wir haben noch sechs Monate Zeit“, heißt es aus dem Büro von Minister Nikolaus Berlakovich (ÖVP). Man sei hoffnungsfroh, dass eine Einigung mit dem slowenischen Nachbarn möglich sei.

Chinesen wollen Würste

Die Krainer-Debatte ist aber nicht die einzige Sorge, die die Wiesbauers dieses Landes derzeit umtreibt. „Die immer teurer werdenden Därme sind das Problem“, sagt der Unternehmer. „Bald ist die Haut der Wurst teurer als der Inhalt. Die Frankfurter könnte zum Luxusgut werden.“ Schuld sind laut Schmiedbauer unter anderem die Chinesen und die Schafe. „In Osteuropa und in China steigt die Nachfrage nach guter Wurst. Gleichzeitig werden die Schafbestände kleiner und die Därme somit teurer.“

Beides probiert, ein Vergleich: Was steckt in der Wurst?

Krainer, Slowenien: 80 Prozent Schweinefleisch der Kategorien I und II, 20 Prozent Rückenspeck, Salz, Pfeffer, Knoblauch; Konservierungsmittel E 250; zwei Mal je 30 Minuten geräuchert. Geheimrezept: In Rotwein gekocht.

Käsegriller, Österreich:  Die „alpenländische Spezialität" enthält laut Beschreibung folgende Zutaten: Schweine- und Rindfleisch (74 Prozent), Emmentaler (24 Prozent), Speck, Nitritpökelsalz, Gewürze, Dextrose, Saccharose, Antioxidationsmittel: Ascorbinsäure, Natriumascorbat, Stabilisator: E 450, E 451, E 452, Geschmacksverstärker.

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(kurier / Martin Gantner, Jürg Christandl (Fotos)) Erstellt am
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