Politik 19.12.2011

Die Diktatur in Pjöngjang ist angezählt

Nordkorea steuert auf eine rumpelige Machtübergabe zu – Ausgang ungewiss.

Der Diktator ist tot, es lebe der neue Diktator – dieses Prinzip, das Nordkorea in den vergangenen Jahrzehnten praktizierte, wird sich dieses Mal nicht so leicht wiederholen lassen. Anders als bei der ersten „dynastischen Machtübergabe“ vor 15 Jahren ist Nordkorea heute ein anderes Land: Trotz aller Verbote – Einreisenden werden am Flughafen die Handys abgenommen – haben USB-Sticks, Handys und Computer ihren Weg ins Land gefunden und Millionen isolierter Nordkoreaner eine Ahnung davon gegeben, dass es ein Leben außerhalb ihres Sklavenstaates gibt.

Mehr als eine Million Nordkoreaner sind verhungert, ohne dass der „liebe Führer“ seinem Volk ermöglicht hätte, sich selbst zu versorgen. Es waren diese traumatischen Hunger-Jahre, die Nordkorea für immer verändert haben und die wohl schon in den 90er-Jahren in einer Revolution geendet hätten, hätte das Regime nicht mit allergrößte Härte jedes noch so winzige Anzeichen von Unruhe ausgemerzt.

Sollbruchstelle

Der Moment, in dem Junior-Führer Kim Jong-Un nun übernimmt, ist eine Sollbruchstelle: Nur wenn die Macht geordnet an den Erben übergeht, hat die Infgrgrausamste Diktatur der Welt noch Chancen, weiterzubestehen – zumindest eine Zeit lang. Kommt es aber zu inneren Machtkämpfen, ist der Untergang des kommunistischen Nordkorea besiegelt. Wie bei einem Kochtopf, in dem der Druck zu groß geworden ist, droht beim Öffnen der kleinsten Schleuse gleich der ganze Deckel weggesprengt zu werden. Entsprechend gering dürfte die Bereitschaft der neuen Elite zu Reformen oder einer Öffnung sein. Hoffnungen auf ein baldiges, friedliches Ende der Diktatur wird in einigen diplomatischen Couloirs dieser Welt vielleicht gehegt, allzu viel Berechtigung haben sie nicht.

Nordkorea – das ist viel mehr als eine skurrile kommunistische „Royal Family“. Nordkorea, das ist eine Atommacht, die ihr nukleares Potenzial skrupellos ausspielt. Die weiß, dass sie sich auf ihren großen Bruder China stützen kann – solange sie im Inneren für Ruhe, und sei es auch nur Grabesruhe, sorgt. Darauf wird auch die neue Führung in Pjöngjang setzen: Denn was man zwischen China, Südkorea und den USA am wenigsten will, ist ein kollabierendes Nordkorea, mit Millionen Flüchtlingen, Tonnen unbewachter Massenvernichtungswaffen und freischwebendem Atommaterial.

( Kurier ) Erstellt am 19.12.2011