Politik 05.12.2011

Deutsche Kanzlermaschine für Ahmadinejad

© Bild: AP/Maurizio Gambarini

Laut einem Bericht soll der Airbus über Umwege nach Teheran verkauft worden sein. Peinlich, angesichts der deutschen Haltung zum Iran.

Deutschlands schwarz-gelbe Koalition setzt sich im Atomstreit mit dem Iran für schärfere Sanktionen gegen das Land ein - aber jetzt wurde ausgerechnet eine ausgemusterte Kanzlermaschine über Umwege nach Teheran verkauft, berichtet Spiegel Online.

Die iranische Fluglinie Mahan Air, deren Jets durch die Sanktionen gegen den Iran kaum noch gewartet werden können, erwarb kürzlich einen Airbus 310-304. Er wurde am 18. November von Kiew nach Teheran geliefert. Nur Kennern fiel der neue Zuwachs der Flotte schnell auf. Zum einen handelt es sich bei dem zweistrahligen Jet um eine sogenannte VIP-Maschine, zudem ist die Flugzeugkennung (10+22) sehr ungewöhnlich.

Der Kauf könnte für die schwarz-gelbe Koalition von Bundeskanzlerin Angela Merkel peinlich werden, schreibt Spiegel Online. Bei dem Flugzeug handelt es sich offenbar um eine Maschine, die rund 20 Jahre im Dienst der deutschen Bundesregierung stand. Bis vor wenigen Monaten jetteten die Kanzlerin, der Außenminister oder andere Kabinettsmitglieder mit dem bequem eingerichteten Airbus durch die Welt.

Umweg über Kiew

Die Maschine trug in Diensten der deutschen Regierung den Namen "Theodor Heuss" und war eingerichtet mit Schlafkabine, Dusche und komfortablen Ledersofas. Der Vorgang wirkt angesichts des immer schärfer werdenden Atomstreits des Westens mit dem Iran bizarr. Erst vor wenigen Tagen, nach der Vorlage eines alarmierenden Berichts über die Fortschritte des iranischen Atomprogramms durch die Internationale Atomenergiebehörde, hatte Regierungssprecher Steffen Seibert angekündigt, dass sich Deutschland "aktiv für schärfere Sanktionen gegen Iran einsetzen" werde.

Der ausrangierte Kanzler-Jet landete über einen Umweg in Teheran. Nach der Ausmusterung kümmerte sich die Verwertungsgesellschaft für Bundeseigentum (Vebeg) um den Verkauf der alten Maschine. Ein Käufer war schnell gefunden: eine osteuropäische Investorengruppe. Die 1989 gebaute Maschine wechselte damals für 3,125 Millionen Euro den Besitzer. Der Jet wurde neutral lackiert an den Käufer übergeben. Jetzt wurde das Flugzeug von dem ukrainischen Investor still und heimlich an Mahan Air verkauft. Insider der Branche vermuten, dass der Investor möglicherweise von Beginn an als Strohmann für die Iraner diente, schreibt das Magazin.

Erstellt am 05.12.2011