An aerial view is seen of St. Peter's square in Vatican May 1, 2011. Pope John Paul II moves a step closer to sainthood on Sunday when his successor beatifies him before an expected crowd of several thousand people. REUTERS/ Massimo Sestini/Polizia di Stato (VATICAN - Tags: RELIGION) NO COMMERCIAL OR EDITORIAL SALES THIS IMAGE HAS BEEN SUPPLIED BY A THIRD PARTY. IT IS DISTRIBUTED, EXACTLY AS RECEIVED BY REUTERS, AS A SERVICE TO CLIENTS

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Päpste und Politik
02/27/2013

Der Vatikan – Kirche und Staat

Viele christliche Kirchenführer in Rom sahen sich auch als Machtpolitiker.

von Otto Klambauer

Es gehört zu den Besonderheiten der katholischen Kirche, dass der Arbeitsauftrag ihres Oberhauptes beim Festgottesdienst im Petersdom in Rom über den Häuptern der Gläubigen eingeschrieben steht. Die von Michelangelo gestaltete Riesenkuppel ist von der Inschrift umrundet: „Du bist Petrus, und auf diesem Felsen werde ich meine Kirche bauen.“

Im Matthäus-Evangelium setzt Jesus mit diesem Zitat Petrus als ersten Papst ein: „Ich will dir des Himmelreichs Schlüssel geben, und alles, was du auf Erden bindest, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel los sein.“

264 Nachfolger auf dem Stuhl Petri waren seither an diesen Sendungsauftrag gebunden. Die Päpste verstanden sich aber nicht nur als Kirchenführer, sondern auch als Oberhäupter eines Kirchenstaates – mit dem Zentrum Rom, wo Petrus um etwa 67 n. Chr. den Märtyrertod erlitten hat.

Römische Wende

Ausgang nahm diese Entwicklung vom römischen Kaiser Konstantin dem Großen: Er sicherte in der „Mailänder Vereinbarung“ 313 vor allem den Christen Religionsfreiheit zu. Nach Erringung der Alleinherrschaft 324 bekannte sich Konstantin offen zum Christentum.

Kaiser Konstantin machte den Christen großzügige Geschenke und gewährte ihnen Zugang zu wichtigen Staatsämtern. Er ließ auch über dem vermuteten Petrus-Grab eine große Grabeskirche erbauen – der Ort des späteren Petersdoms.

Nach dem Zerfall des Römischen Imperiums beanspruchten die Päpste die weltliche Herrschaft über ein weites Gebiet um Rom unter Berufung auf die „Konstantinische Schenkung“. Sie wurde zur Keimzelle des Kirchenstaates – obwohl sie bereits im 15. Jahrhundert als Fälschung entlarvt wurde.

Das wahre Geburtsjahr des Kirchenstaates ist mit 751 anzusetzen: Nach der Spaltung vom byzantinischen Ostrom wurde den Päpsten dieser Staat in der „Pippinischen Schenkung“ garantiert. Schon der Sohn von Frankenkönig Pippin dem Jüngeren, Karl der Große, ließ sich erstmals von einem Papst zum Kaiser krönen – am Weihnachtstag des Jahres 800 von Papst Leo III.

Allianz Kirche – Staat

Damit wollten Karl der Große und nach ihm viele weitere Kaiser des Heiligen Römischen Reiches (später mit dem Zusatz: Deutscher Nation) nicht nur kirchlichen Segen erwirken. Sie wollten vor allem beweisen, dass ihre Herrschaft im christlichen Sinne legitimiert sei.

Diese Allianz bot auch den Päpsten Vorteile: Sie begründeten damit weltliche Ansprüche und schufen sich so nicht nur eine religiöse, sondern auch eine wirtschaftliche und politische Basis. Diese gipfelte in der großen Macht der Päpste im Mittelalter, dann besonders in der Renaissance.

Für den christlichen Glauben warben die Päpste nicht nur mit dem Kreuz. Viele von ihnen zogen in zweitausend Jahren mit Lanze und Schwert für den Glauben in die Schlacht. Oberhäupter der Christenheit führten Kriege gegen Ungläubige und Gläubige, von Europa bis ins Heilige Land – vor allem in den Kreuzzügen zwischen 1095/99 und 1291.

Territorial stützte sich die weltliche Macht des Oberhauptes der Christenheit anfangs auf den päpstlichen Grundbesitz in Italien, das „Patrimonium Petri“. Aus ihm entstand der Kirchenstaat, der sich am Höhepunkt päpstlicher Macht über das heutige Mittelitalien von Rom bis Bologna erstreckte.

Doch die Allianz Kirche – Staat war nie friktionsfrei: Höhepunkt des Konfliktes im mittelalterlichen Europa war der Streit um das Recht zur Amtseinsetzung Geistlicher – der sogenannte Investiturstreit zwischen 1076 und 1122.

Er gipfelte im Dezember 1077 im Gang von König Heinrichs IV. nach Canossa. Im Büßergewand erreichte er von Papst Gregor VII. die Aufhebung des Kirchenbanns.

Eine große Phase der Schwächung erlitten die Päpste im 14. Jahrhundert: Als Spielball der europäischen Mächte mussten sie Rom verlassen und zogen ins französische Exil nach Avignon. Es herrschten Päpste und Gegenpäpste, manchmal bis zu drei Päpste nebeneinander. Beendet wurde dieses kirchliche Vakuum erst mit der Rückkehr der Päpste nach Rom 1377 und dem Ende des Schismas 1417. Ab nun war Rom endgültig päpstlicher Regierungssitz und Zentrum des Kirchenstaates.

Im 16. Jahrhundert geriet die katholische Kirche in Österreich in eine schwere innere Krise, die in der Ausbreitung des Luthertums (Reformation) offen zutage trat. Ihr wurde ab etwa 1580 von den Habsburgern durch die Gegenreformation entgegengewirkt. Dies führte bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts zur völligen Rekatholisierung Österreichs (Salzburg erst im 18. Jahrhundert).

Erniedrigung

In der Französischen Revolution 1789 und dem Aufstieg Napoleons schwand die weltliche Macht der Päpste gravierend: 1789 wurde der Kirchenstaat zur „Römischen Republik“ erklärt. Was Napoleon vom Papst hielt, demonstrierte er vor aller Welt: Er ließ Papst Pius VII. eigens nach Paris anreisen – und krönte sich am 2. Dezember 1804 in der Kirche Notre-Dame in Anwesenheit des Papstes selbst mit der Kaiserkrone.

Erst der Wiener Kongress stellte 1815 den Kirchenstaat wieder her.

Die nächsten Krisen für die weltliche Macht der Päpste folgten im Revolutionsjahr 1848/’49. Und in der Staatswerdung Italiens 1860 bzw. 1870 wurde Rom durch die Truppen von König Viktor Emanuel II. besetzt.

Ab nun konzentrierte sich die kirchliche Verwaltung nur noch auf die Vatikanstadt. Der Amtssitz des Papstes schottete sich immer mehr von der italienischen Hauptstadt ab.

Es dauerte fast 60 Jahre, bis das Verhältnis VatikanItalien geklärt wurde: Am 11. Februar 1929 garantierte der faschistische Ministerpräsident Benito Mussolini in den Lateranverträgen wieder den Kirchenstaat. Er umfasste aber nur noch das von Mauern umgrenzte Gelände um den Petersdom. So ist es bis heute geblieben.

Offizieller Name des Kirchenstaates ist seit 1929 „Staat der Vatikanstadt“ – heute der kleinste unabhängige Staat der Welt. Nominell ist er eine absolute Wahlmonarchie: Der Papst hat volle gesetzgebende, ausführende und richterliche Gewalt. Nach außen hin wird der Vatikanstaat durch den Heiligen Stuhl mit seinen Nuntien vertreten: Sie sind nicht nur Botschafter des Vatikan, sondern kontrollieren auch die Landeskirchen.

Seit 1984 zählt die Vatikanstadt zum Weltkulturerbe der UNESCO. Sie ist der einzige Staat der Welt, dessen Territorium komplett von der UNESCO geschützt wird.

Der Vatikanstaat ist auch kein Mitglied der UNO, hat dort aber permanenten Beobachterstatus. Bis heute hat der Vatikan nicht die Europäische Menschenrechtskonvention unterzeichnet – deshalb kann der Vatikan nicht dem Europarat beitreten.

Umgeben ist der Vatikanstaat nicht nur zur Gänze von der Republik Italien, sondern auch von der Europäischen Union – und hat deshalb als Zahlungsmittel den Euro übernommen.

Alle Beiträge zur KURIER-Serie "Die Macht der Kirche"

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