Der Kult um Che

ARGENTINA - CHE GUEVARA
Foto: /Leo La Valle Alberto Kordas legendäre Aufnahme von Che Guevara

Vor 50 Jahren starb der Popstar der linken Revolution: Aber der Mythos von Che Guevara ist bis heute lebendig

Er kämpfte mit Gewalt für die Weltrevolution und endete auf T-Shirts und dem Po von Supermodel Gisele Bündchen. Vor 50 Jahren starb Che Guevara – und ist bis heute Symbol & Popstar in Personalunion.

Che wie Charisma

Wallendes Haar unter der mit Stern geschmückten Baskenmütze, den Blick nachdenklich in die Ferne gerichtet, so kennt man ihn: Ernesto Guevara, genannt „Che“.  Er sah gut aus, hatte Visionen, war charismatisch – und wäre mit den Jahren wohl doch Teil des verstaubten Politik-Establishments geworden, von dem sich die Jugend nicht verstanden fühlt. Oder? Kann sich jemand Jimi Hendrix als selbstzufriedenen Musikrentner vorstellen? Janis Joplin als ältliche Gesangslehrerin oder Kurt Cobain als Herrn mit Bauchansatz und schütterem Haar, der gern von den wilden 90ern erzählt? Vielleicht ist ja genau das Ches Geheimnis: dass er sich nicht anpassen konnte – und letztendlich auch nicht musste.

Dass er die glorreiche kubanische Revolution in die Welt tragen wollte, sich mit den russischen Apparatschiks ebenso anlegte wie mit dem Realisten Fidel Castro. Am 9. Oktober 1967  wurde Ernesto „Che“ Guevara  im bolivianischen Dschungel  erschossen – und damit unsterblich. Wie so viele andere große Jugend-Ikonen, von James Dean bis Jim Morrison.  

Ein Mythos war geboren
Mit Ches Tod wurde ein Mythos geboren, auch unter tatkräftiger Mithilfe aus Südtirol. Aber dazu später. Und wie alle richtig guten Mythen lässt sich auch der um Che gut verkaufen. Das T-Shirt mit Che-Konterfei  ist seit Jahrzehnten ein Millionenseller,  sein ikonografisches, weltberühmtes  Porträt findet sich auf Gebrauchsgegenständen, von der Bettwäsche bis zum Bikini.

"Mein Bruder Che"

 Wallendes Haar unter der mit Stern geschmückten Baskenmütze, den Blick nachdenklich in die Ferne gerichtet, so kennt man ihn: Ernesto Guevara, genannt „Che“.  Er sah gut aus, hatte Visionen, war charismatisch – und wäre mit den Jahren wohl doch Teil des verstaubten Politik-Establishments geworden, von dem sich die Jugend nicht verstanden fühlt. Oder? Kann sich jemand Jimi Hendrix als selbstzufriedenen Musikrentner vorstellen? Janis Joplin als ältliche Gesangslehrerin oder Kurt Cobain als Herrn mit Bauchansatz und schütterem Haar, der gern von den wilden 90ern erzählt? Vielleicht ist ja genau das Ches Geheimnis: dass er sich nicht anpassen konnte – und letztendlich auch nicht musste. Dass er die glorreiche kubanische Revolution in die Welt tragen wollte, sich mit den russischen Apparatschiks ebenso anlegte wie mit dem Realisten Fidel Castro. Am 9. Oktober 1967  wurde Ernesto „Che“ Guevara  im bolivianischen Dschungel  erschossen – und damit unsterblich. Wie so viele andere große Jugend-Ikonen, von James Dean bis Jim Morrison.  

RJO18:BRAZIL-CARNIVAL:RIO DE JANEIRO,23FEB98 - Sporting a cowboy hat and a large tatoo of Argentine-born revolutionary Ernesto "Che" Guevara, Argentine soccer superstar Diego Maradona watches the carnival parades at the Sambadrome in Rio de Janeiro, Febru Foto: rts REUTERSA couple hold a flag with an image of late revolutionary hero Ernesto "Che" Guevara during a general strike in Almeria, southeast Spain March 29, 2012. Spanish workers staged a general strike on Thursday to protest against labour reforms which the Foto: REUTERS Der Posterboy
Mit Ches Tod wurde ein Mythos geboren, auch unter tatkräftiger Mithilfe aus Südtirol. Aber dazu später. Und wie alle richtig guten Mythen lässt sich auch der um Che gut verkaufen. Das T-Shirt mit Che-Konterfei  ist seit Jahrzehnten ein Millionenseller,  sein ikonografisches, weltberühmtes  Porträt findet sich auf Gebrauchsgegenständen, von der Bettwäsche bis zum Bikini. Diego Maradonna hat sich den Revoluzzer auf den Oberarm tätowieren lassen, auf den rechten ... Es gibt Poster und Filme – und natürlich unzählige Bücher. Zu Ches 50. Todestag bringt jetzt auch sein mittlerweile 75-jähriger Bruder Juan Martín seine Version von „Ernestito“, wie ihn die Mutter zärtlich nannte, unter die Leute: „Mein Bruder Che“ (Tropen Verlag) heißt der Blick auf den Popstar der Revolution.


Warum Juan Martín Guevara jetzt erst mit seinen Erinnerungen herausrückt?  Im politischen Klima meines Landes mit Che Guevara in Verbindung gebracht zu werden, war lange lebensgefährlich, schreibt er. Ich wurde während der dunklen Jahre während der argentinischen Militärdiktatur wegen meiner politischen Gesinnung und auch wegen meines Nachnamens gefangen genommen. Fast acht Jahre war ich im Gefängnis. Heute sehe ich es als eine Verantwortung, der Bruder von Che zu sein. Ich habe mir zum Ziel gesetzt, den Mythos um ihn zu zerstören, und meinem Bruder wieder ein menschliches Antlitz zu geben.

Wie der Plot zum einem James Bond-Film
Klingt gut, und  was folgt, liest sich teilweise   wie der Plot zu einem James-Bond-Film. Es beginnt damit, dass die Familie Guevara von Fidel Castro per Charterflug zu den Revolutionsfeiern in Havanna eingeladen wird. Am Hilton angekommen, erwartet mich jungen Argentinier eine surreale Szenerie voll entfesselter Exotik. Ein großer Schwarzer und ein Zwergwüchsiger in Livree, Wächter einer anderen Welt, tummeln sich im Eingangsbereich. Der amerikanische Schauspieler Errol Flynn schreitet den Hotelflur ab: Die Ankunft von Ches Tross in Havanna hat ihn mitten im Urlaub überrascht. Die luxuriös gestaltete Vorhalle hat sich in ein barockes Gemisch aus Guerilleros, die in Kanapees lümmeln, und verblüfften Touristen verwandelt, die urplötzlich zu ungläubigen Augenzeugen einer gerade stattfindenden Revolution geworden sind.

Sibilla aus Südtirol
Aber es war letztlich eine junge Südtirolerin, die 1967 den Kult um Che  auslöste. An einem anderen Hotspot der Weltpolitik: Bolivien. Nach dem miss-glückten Export der Revolution in den Kongo hatte Che versucht, in Lateinamerika  einen Volksaufstand zu entfachen. Während der Ober-Guerillero im Dschungel schon als verschollen  galt, kamen Sibilla Melega und ihr späterer Ehemann, der Milliardenerbe und Kommunist Giangiacomo Feltrinelli nach Bolivien.

"Doktor Schiwago"

Feltrinelli hatte in seinem Buchverlag Bestseller wie „Doktor Schiwago“ herausgebracht und wollte Guevara treffen, um ein Buch über ihn zu veröffentlichen. Doch Sibilla Melega und er wurden am 20. August des Landes verwiesen. Ein Treffen mit Che  scheiterte, obwohl Verlags-Boss Feltrinelli sogar bereit gewesen wäre, Guevara mit bis zu 50 Millionen Dollar auszulösen.  Alles Makulatur, Che wurde bald darauf hingerichtet.

Der berühmte Foto
 Über  Vermittlung Fidels gelangten die Aufzeichnungen des Dschungelkämpfers  aber doch noch zu Feltrinelli. Und mehr noch: Fotograf Alberto Korda schenkte dem Italiener die Abzüge des berühmten Che-Bildes. Die Veröffentlichung von Bild und Texten durch Feltrinelli und seine Frau ließen den Revolutionär  rasch zur globalen Ikone werden – deren Zauber bis heute nachwirkt. Peter Coeln von der Galerie Westlicht in Wien, erzählt: „Wir hatten 2008 eine Ausstellung namens Che Guevara – Kultbild einer Generation und konnten uns vor jungen Besuchern kaum retten.“ Bemerkenswert auch Coens Beobachtung: "Che hat ein unglaubliches Talent, sich zu präsentieren, er sieht fast auf jedem Bild gut aus, er ist sein eigener Darsteller. Interessant ist auch, dass Che eine Schwarz/Weiß Ikone ist, es gibt fast keine Farbfotos von ihm."

Der Kult um Che

Wie Bundespräsident a.D. Heinz Fischer, der als Student von Che fasziniert war, kann auch der 63-jährige Politik- und Medienberater Karl Krammer, Politstratege vieler SPÖ-Kanzler, den Kult um Che nachvollziehen.  Die  Begeisterung für  Fidel & Co hat ihn 1976 nach Kuba geführt, quasi auf Fact-Finding-Mission - um „zu sehen, wie das Leben dort wirklich ist“. Seine Erkenntnis: „Che war ein Konzentrat vieler Träume – aber wie so oft bleiben Träume meistens unerfüllt.“

Die Faszination lebt

Die Faszination lebt. Wenn Sibilla Feltrinelli, die in Oberkärnten einen "Troatkasten" als Ferienhaus vermietet, fünfzig Jahre zurückdenkt, erlebt sie diese Episode ihres Lebens, als wäre sie gestern passiert: „Meine 14-jährige Nichte sagt immer, ich muss ein Buch schreiben."

Che - Ein Leben

Von der Bücherratte zum Aushängeschild der kubanischen Revolution

1928 am 14. Juni wird Ernesto in Rosario/Argentinien als ältestes von fünf Kindern geboren - in ein Haus, in dessen Bibliothek sich 3000 Bücher befinden. Von Flaubert über Marx bis Sartre: Che war stolz darauf, jeden Tag ein Buch verschlungen zu haben.

1953 Nach absolviertem Medizin- studium drückt er sich vor dem Militärdienst, fährt auf einem Motorrad durch Südamerika und hilft in Bolivien in einer  Lepra-Station.

1954 In Mexiko trifft er auf  Fidel Castro und dessen Anhänger, die in der Verbannung ärztliche Hilfe brauchen. Ernesto schließt sich der Gruppe an und bekommt den Beinamen „Che“.

1956 Als einer von 82 Guerilleros schifft sich Che auf der „Granma“ von Mexiko aus ein, um  in Kuba den Diktator Batista zu stürzen

1960. Fidel Castro mit "Che" Guevara und Osvalso Dorticos. Foto: 1960. Fidel Castro mit "Che" Guevara und Osvalso Dorticos. - AP 1959 Am 4. Jänner ziehen Castro und seine Männer siegreich in Havanna ein. Als Kommandant der Festung „La Cabaña“ ist Guevara verantwortlich für die Erschießung Hunderter Regimegegner.

1965/66 Che versucht mit Hunderten Kameraden im Kongo und in Bolivien eine Revolution  zu entfachen.

Neues Buch über Che Guevara 1967 Am 9. Oktober wird Ernesto „Che“ Guevara bei einem Gefecht mit der bolivianischen Armee verwundet, gefangen genommen und in einem Unterrichtszimmer der Dorfschule erschossen.

1997 In Vallegrande/Bolivien wird unter einer Landebahn das Skelett Guevaras antdeckt. Der Leichnam wird nach Kuba überführt und in einem Staatsbegräbnis in einem Mausoleum in Santa Clara beigesetzt

(Kurier Freizeit am Samstag) Erstellt am
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