Der Hai: Profil eines Jägers

Der Mensch ist zu knochig, um als Haibeute wirklich attraktiv zu sein. Warum es dennoch zu tödlichen Attacken kommt.

Ein blutiger Honeymoon blieb Kate und William auf den Seychellen erspart. Nicht einmal ein Durchfallvirus bremste die royale Entspannung nach dem Trauungsstress im Mai. Normalerweise ist das Gefährlichste, was Urlaubern im Inselparadies widerfahren kann, dass man von einer Seychellennuss auf den Kopf getroffen wird. Kunststück. Coco de Mer ist ein Naturschatz der Inseln. Vor zwei Wochen zerfleischte ein hungriger, fast drei Meter langer Hai – wahrscheinlich ein Bullenhai – einen 36-jährigen Taucher aus Frankreich, Nicolas Virolle. Kaum hatte sich die Urlaubergemeinde erholt, schlug der Killer erneut zu. Das Opfer diesmal: ein 30-jähriger Brite auf Hochzeitsreise. Mahlzeit! Der zeitliche Abstand ist kein Zufall. Selbst große Haie fressen nicht drei Mal am Tag, eine Mahlzeit pro Woche genügt, „aufgrund ihres großen Mauls würde man ihnen das nicht zutrauen“, sagt Daniel Abed-Navadi, Aquarium-Kurator und Vizedirektor am Haus des Meere. Die Wade eines Menschen, ob Brite oder Franzose, gelte dabei kaum als vollwertige Mahlzeit, „fünf Waden schon eher“. 

. Der KURIER bat den Experten zur Hai-Analyse.
Warum greifen Haie Menschen an? Sind wir solche Leckerbissen?
Im Gegenteil. Menschen sind knochiger als die übliche Beute von Haien, andere Fische und Meeressäuger, die viel mehr Fett und Muskelgewebe haben. Andererseits bewegen sich Menschen im für sie ungewohntem Lebensraum ungeschickt Welche Gewässer sind haiverseucht?
Berüchtigt sind Meeresregionen vor Kalifornien und vor Südafrika. Warum? Weil es dort viele intakte Meeressäugerkolonien gibt. Robben sind für Haie so etwas wie ein Berner Würstel. Im Vergleich dazu ist ein Mensch ein abgenagter Hendlhax’n. Vor Praslin zieht der Fischreichtum die Haie an. Das erklärt aber nicht die die Menschen-Attacke.
Das war Pech. Ein hungriger Raubfisch von fast drei Meter Länge, der offenbar noch keine schlechten Erfahrungen mit Menschen gemacht hat. Warum sollte der nicht probieren, ob sich ein Taucher als Beute eignet? Haie sondieren die Lage genau, bevor sie zubeißen. Der Grund dafür: Sie gehen ein beträchtliches Risiko ein, an ihrer Schnauze befinden sich die wichtigen Sinnesorgane: Augen, Nase und Mikro-Elektrosensoren (Lorenzinische Ampullen, Anm.) . Die Erfahrung hat diesen Hai aber gelehrt, dass ein Mensch, der im Wasser strampelt leichte Beute ist. Sind Haie intelligent?
Haie gehören zu den intelligentesten Meerestieren. Sie müssen ihrer Beute immer einen Entwicklungsschritt voraus sein. Sie lernen in erster Linie voneinander und von der Beute. Es gibt aber Unterschiede. Zum Beispiel gibt es bei bodenbewohnenden Bambushaien scheuere und risikofreudigere Individuen. Wie verhalten sich Haie in der Gruppe?
Haie sind soziale Tiere, nicht nur bei der Fortpflanzung. Beschrieben ist das „Give way“-Verhalten: Stärkeren Tieren wird Platz gemacht. Diese bekommen in der Formation einen bevorzugten Platz eingeräumt, etwa vorne (näher zur Beute, Anm.) oder hinten (im Strömungsschatten, Anm.) . Wie riechen Haie?
Herb, ähnlich wie Harn.

Warum lockt Blut Haie an?
Blut signalisiert, dass ein Tier verletzt ist. Das heißt: Es ist leichtere Beute.

Warum fürchten wir uns so gern vor Haien?
Haie haben, wie alle Fische, keine Mimik, und kein Werkzeug. Eine Krake, die ihre Greifarme einsetzt, wirkt menschenähnlicher. Unterteilung Die Haiarten werden in acht Unterordnungen aufgeteilt. Wichtige Merkmale für die verwandtschaftliche Zuordnung sind zum Beispiel Afterflossen und Stachelstrahlen an den Rückflossen. In den vergangenen Jahrzehnten wurden in der Tiefsee neue Arten entdeckt.

Überraschung Das Größenspektrum der Haie reicht von 12 cm (Dornhai) bis zum 12 Meter langen Walhai. Die meisten Haie messen weniger als einen Meter. Und: Nicht alle sind stromlinienförmig gebaut. Es gibt Haie mit flachen Körpern, doggenartigen Köpfen.

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(kurier) Erstellt am
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