Politik
20.12.2011

D: Wulffs verhängnisvolle Freunde

Der nächste Schlag für das Image des Präsidenten: Ein Unternehmer-Freund zahlte die Inserate für Wulffs Buch.

Politische Einseitigkeit kann man Carsten Maschmeyer wahrlich nicht vorwerfen. 1998 ließ der Gründer der Finanzvertriebsgesellschaft AWD umgerechnet 325.000 Euro für eine anonym geschaltete Inseratenkampagne springen, in der es hieß: „Der nächste Kanzler muss ein Niedersachse sein“. Es war eine klare Wahlempfehlung für den SPD-Kandidaten Gerhard Schröder, der dann tatsächlich Langzeitkanzler Helmut Kohl ablöste.

Zehn Jahre später übernahm der mehrere Hundert Millionen Euro schwere Maschmeyer die Werbekosten für das Interview-Buch „Besser die Wahrheit“ von Christian Wulff, der damit um seine Wiederwahl als CDU-Ministerpräsident von Niedersachsen kämpfte – ebenfalls mit Erfolg.

In beiden Fällen griff Maschmeyer, der mittlerweile mit einem neuen Unternehmen Banken, Versicherungen und Regierungen in Sachen Alters- und Gesundheitsvorsorge berät, Politikern finanziell unter die Arme – angeblich ohne sie darüber zu informieren. Auch seinem Freund Christian Wulff will er nichts von den 42.700 Euro Inseratengeld aus seiner Privatschatulle erzählt haben.

Maschmeyers Spende – jetzt von der Bild- Zeitung aufgedeckt – ist der nächste Schritt zur Demontage des Bundespräsidenten. Dessen Medienanwalt Gernot Lehr beteuerte zwar, Wulff habe von der Zahlung nichts gewusst. Und auch der Verleger des Buches spricht von einem „in der Verlagsbranche üblichen Vorgang“. Doch mit jeder Enthüllung wird die verhängnisvolle Nähe des CDU-Mannes zu Niedersachsens Superreichen deutlicher.

Rückendeckung

Wulff und seine zweite Frau Bettina verbrachten im Sommer 2010 nach der Präsidentenwahl auch ihren Urlaub in Maschmeyers Luxusferienanlage auf Mallorca. Und sie zeigten sich gerne mit dem glamourösen Unternehmer, der seit 2009 mit der Schauspielerin Veronica Ferres liiert ist.

Noch lange nicht ausgestanden ist für den Bundespräsidenten auch die Affäre um den günstigen 500.000-Euro-Kredit, den er 2008 vom Unternehmer-Ehepaar Geerkens erhielt. Dienstag Nachmittag trat der Ältestenrat des niedersächsischen Landtags zusammen, um zu prüfen, ob Wulff gegen das Ministergesetz des Landes verstoßen hat. Dieses verbietet Vergünstigungen in Bezug auf ihr Amt.

Geerkens Anwalt bekräftigte am Dienstag, die Initiative zu dem Darlehen sei von Edith Geerkens ausgegangen und mit ihrem Geld erfolgt. In dem von Wulff zur Ansicht freigegeben Akten über den Kredit scheint tatsächlich nur die Unterschrift von Frau Geerkens auf, der vereinbarte Zinssatz wurde von 4,5 auf 4 Prozent ausgebessert.

Kritiker halten dagegen, die Vereinbarung könnte trotzdem von Egon Geerkens eingefädelt worden sein. Es müsse geprüft werden, ob er in irgendeiner Weise von Wulffs Position profitiert habe. Geerkens ist aber schon seit 2004 nicht mehr als Unternehmer tätig.

Obwohl es bereits erste Rücktrittsaufforderungen gibt, wollen laut einer ARD -Umfrage 70 Prozent der Befragten Wulff weiter im Schloss Bellevue sehen. Allerdings halten ihn nur noch 51 Prozent für glaubwürdig – 23 Punkte weniger als bei seinem Amtsantritt 2010.

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