Politik | Ausland
23.10.2018

Zu viele Hassbotschaften: Chebli deaktiviert Facebook-Account

Berliner Politikerin nach "Rolex-Gate": "Mein Facebook-Account hat sich zu einem Tummelplatz für Nazis und Extremisten aller Couleur entwickelt."

Die Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli (40) hat ihren Facebook-Account wegen einer Vielzahl von Hass-Nachrichten deaktiviert. „Mein Facebook-Account hat sich zu einem Tummelplatz für Nazis und Extremisten aller Couleur entwickelt“, sagte die SPD-Politikerin am Montag der „Bild“-Zeitung. „Hunderte, manchmal waren es sogar tausende Hassbotschaften unter einem Post. Und zwar unabhängig vom Inhalt. Egal, was ich gepostet habe, es wurde mit Hass und Hetze reagiert.“

Solchen Leuten wolle sie keine Plattform mehr bieten, so Chebli. „Deshalb habe ich mich entschieden, vorerst meinen Facebook-Account zu deaktivieren. Ob und wann ich wieder online gehe, kann ich Stand heute nicht sagen.“ Chebli war auf Facebook wie auch auf Twitter sehr aktiv und will ihre Äußerungen in diesen sozialen Netzwerken als privat verstanden wissen. Bei Twitter bleibt sie präsent.

#Uhrengate

Chebli ist seit 2016 Berlins Bevollmächtigte beim Bund und Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales im rot-rot-grünen Senat. Am Wochenende war die Sozialdemokratin im Internet wegen einer Rolex-Uhr angegriffen worden.

Jemand postete ein vier Jahre altes Foto aus Cheblis Zeit im Außenamt, auf dem sie eine Rolex am Arm trägt. „Alles was man zum Zustand der deutschen Sozialdemokratie 2018 wissen muss“, kommentierte der User mit Blick auf Wahlniederlagen und schlechte Umfragewerte der Partei - und recherchierte, dass das fragliche Modell 7300 Euro kostet.

Dürfen „Sozis“ Rolex tragen? Das Magazin „Stern“ machte daraus - Twittergerecht mit Hashtag garniert - ein „#Uhrengate“. Das „Netz“ hyperventilierte. Die einen griffen Chebli an, die anderen verteidigten sie: Welche Uhr man trage, sei Privatsache. „Man muss nicht arm sein, um gegen Armut zu sein“, sprang FDP-Chef Christian Lindner Chebli bei. Sie verdient rund 9400 Euro brutto im Monat.

Schließlich schaltete sich Chebli selbst in die Diskussion ein:

In Deutschland flammt immer wieder Neiddebatte auf

Die Neiddebatte weckte Erinnerungen an andere Sozialdemokraten mit Hang zum Edlen. Altkanzler Gerhard Schröder etwa trug gern teure Maßanzüge und paffte kubanische Zigarren. Ex-Finanzminister und Weinkenner Peer Steinbrück offenbarte einmal, er würde keinen Pinot Grigio für nur fünf Euro kaufen.