WHO-Experten in Wuhan: Delegationsleiter  Peter Ben Embarek und  Peter Daszak (re.), dem manche Befangenheit vorwerfen

© REUTERS/ALY SONG

Politik Ausland
03/05/2021

Zerstrittene Weltgesundheitsorganisation gegen "Grüne Pässe"

Experten der WHO sind sich oft uneinig. Streit gab es in Wuhan auf der Suche nach dem Ursprung des Virus.

von Susanne Bobek

WHO-Europa-Chef Hans Kluge ist gegen die von der EU-Kommission geplante Einführung der „Grünen Pässe“, weil sie nicht sicher seien. Mit dem „Grünen Pass“ sollen Geimpfte, Genesene oder Getestete mehr Reisefreiheit genießen.

Kluge rechnet damit, dass die Pandemie in zehn Monaten zu Ende sein werde, dass aber 2021 ein weiteres Covid-Jahr bleibe. Und: Das Virus geht nicht weg.

Chinas Kandidat

Ein Jahr nach Ausbruch der Pandemie in Wuhan gibt die UNO-Organisation, die immer nur so gut sein kann, wie ihre Mitglieder es erlauben, ein zwiespältiges Bild ab. Zuerst wurde Covid-19 vom WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus  verharmlost.

Bei seinem China-Besuch im Jänner 2020 bewunderte er öffentlich Präsident Xi für sein umsichtiges Covid-Management.

Dann, wohl zu spät, gab er Alarm und warnte vor der Pandemie. Dem Äthiopier Tedros wird eine besondere Nähe zu China nachgesagt, auch weil die Chinesen die größten Geldgeber in der Heimat des langjährigen Außenministers sind, der als WHO-Chef ein Wunschkandidat Chinas war.

Persönliche Freundschaften

Auch die WHO-Experten reden oft aneinander vorbei. Ganz offenkundig wurde das nach ihrer Visite in Wuhan. Auf einen gemeinsamen Bericht über die Herkunft des Virus konnten sich die 13 Fachleute aus Australien, Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden, Japan, Katar, Russland, den USA und Vietnam nicht einigen. In die Kritik geriet Peter Daszak, ein britisch-amerikanischer Zoologe und ein Experte für Infektionsepidemiologie, der mit der Chefin des Hochsicherheitslabors in Wuhan, Zhengli Shi, eng zusammengearbeitet hat und mit ihr befreundet ist.

Schreiduelle

Während andere Mitglieder des WHO-Teams nicht ausschließen konnten, dass das Virus womöglich doch, wie viele Verschwörungstheoretiker behaupten, aus einem Labor freigekommen sein könnte, stellte sich Daszak vor seine Forscherkollegin aus China. Deshalb soll es zu Schreiduellen mit Delegationsleiter Peter Ben Embarek gekommen sein. Einig war man sich nur, dass das Virus vermutlich von einer Fledermaus über einen Zwischenwirt, vermutlich ein Schuppentier, auf den Menschen übergesprungen ist. Aber auch da müsse man mehr forschen.

Die Chinesen haben aber offenbar wichtige Unterlagen vernichtet oder der WHO vorenthalten, sagen andere Experten. Susanne Bobek

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