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Politik Ausland
10/20/2021

Zehn Jahre nach Gaddafis Tod: Das machen seine Söhne heute

Vor zehn Jahren wurde Libyens Machthaber ermordet, das Land versank im Chaos. Bald soll es Wahlen geben – immer wieder wird einer von Gaddafis Söhnen ins Spiel um die Macht gebracht.

von Armin Arbeiter

Sie zerrten ihn aus einer Betonröhre, schlugen auf ihn ein, schossen auf ihn – ehe die Bilder seiner entstellten Leiche um die Welt gingen. Heute vor zehn Jahren starb Muammar al-Gaddafi. Der exzentrische Langzeitmachthaber in Libyen fand im Zuge des "Arabischen Frühlings" ein schmähliches Ende. 42 Jahre lang hatte er das Schicksal seines Landes bestimmt.

Nach seinem Tod stürzte Libyen ins Chaos, Ex-US-Präsident Barack Obama sah es später als "größten Fehler" an, ohne Plan für eine Zeit nach Gaddafi in Libyen interveniert zu haben. Die Folge: ein verheerender Bürgerkrieg, rivalisierende Stämme, marodierende Milizen – und weitere Interventionen aus dem Ausland. Erst seit kurzer Zeit ist in Form von Wahlen eine Lösung in Sicht – auch wenn noch immer nicht ganz klar ist, wann diese stattfinden.

Da wundert es nicht, dass sich in einigen libyschen Kreisen eine Gaddafi-Nostalgie breitmacht. Immer wieder werden die leiblichen Söhne des getöteten Diktators ins Spiel um die Macht gebracht – und derer hatte Gaddafi sieben. Vier sind noch am Leben.

Döblinger Villa

Die höchsten Chancen werden Saif al-Islam al-Gaddafi zugerechnet. Er war im Herbst 2011 von Stammesmilizen im Nordwesten Libyens gefangen genommen worden. 2017 ließen sie ihn zwar frei, Gaddafi entschied sich allerdings, weiter bei seinen ehemaligen Gefängniswärtern zu leben. In Österreich ist Saif vor allem wegen seiner engen Freundschaft zum verstorbenen Politiker Jörg Haider bekannt.

Damals noch Exzentriker, bewohnte er in Wien eine Döblinger Villa, gemeinsam mit zwei weißen Tigern. "Es gibt die Möglichkeit, dass er in eine allfällige Stichwahl kommt, allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass er dann gewinnt. Dafür ist der Unmut vor allem in vielen Küstenstädten zu groß", sagt der renommierte Libyen-Experte Wolfgang Pusztai zum KURIER. Die Unterstützung durch einzelne Stämme sei nicht genug.

Der Fußballprofi

Erst kürzlich aus der Haft entlassen wurde der heute 48 Jahre alte Saadi al-Gaddafi. Politische Ambitionen schien er lange keine zu haben, sein Ehrgeiz galt dem Sport. Als Fußballer machte er sich in Libyen einen Namen – wortwörtlich: Bei Spielen, an denen er teilnahm, durfte von beiden Mannschaften nur sein Name aufgerufen werden. Von allen anderen Spielern wurden nur die Rückennummern aufgerufen. Dreimal wurde er Libyens Fußballer des Jahres, ehe die italienische Serie A Interesse bekundete.

Aus nicht bekannten Gründen kam der libysche Top-Fußballer in Perugia und Udine in zwei Jahren auf nur 25 Einsatzminuten. 2007 hängte er seine Prof-Karriere an den Nagel. Vier Jahre später – er war Kommandant der Spezialeinsatzkräfte – floh er aus Libyen und suchte um Asyl in Niger an.

2014 lieferte das benachbarte Niger ihn nach Libyen aus, wo ihm vorgeworfen wurde, an der brutalen Niederschlagung von Protesten mitgewirkt zu haben. Im September diesen Jahres wurde Saadi freigelassen, soll in die Türkei geflüchtet sein. "In der politischen Zukunft des Landes wird er keine Rolle spielen", meint Pusztai, "ebenso wie sein ältester Bruder Mohammed al-Gaddafi, der im Oman Zuflucht gefunden hat."

Der Name ist Programm

Schlechter erging es Hannibal al-Gaddafi: Der als äußerst brutal geltende Diktatorenspross wurde etwa 2008 in der Schweiz wegen Körperverletzung, Drohung sowie Nötigung zweier Hausangestellter angeklagt. Hannibal wollte Rache: Am Rande des G-8-Gipfels 2009 bezeichnete er die Schweiz als "Helferin des Terrorismus" und schlug vor, die Schweiz zu zerschlagen.

In Libyen soll er Offiziere, die seine Befehle infrage gestellt hatten, erschossen haben. 2011 flüchtete er erst nach Algerien, dann in den Oman, ehe er 2015 von einer Schiitenmiliz in Syrien entführt und in den Libanon verschleppt wurde.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit sitzt er dort noch immer im Gefängnis. Die Miliz wirft dem Gaddafi-Clan vor, für das Verschwinden Musa as-Sadrs, eines hohen schiitischen Geistlichen, verantwortlich zu sein. Kurios: Als dies passiert sein soll, war Hannibal keine drei Jahre alt.

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