Zana Ramadani (33) sieht sich vor allem als Feministin

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Buch zu Kopftuch-Debatte
03/14/2017

"Verhüllung ist Verrat am Feminismus"

Kontroverses Buch: Zana Ramadani wuchs streng muslimisch auf – jetzt schreibt sie gegen das Kopftuch an.

Ein Kopftuch? Das hat sie selbst nie tragen müssen, und darüber sei sie mehr als froh, sagt Zana Ramadani. Die 33-Jährige sitzt in einem Berliner Café, ihr langes Haar fällt ihr locker über die Schulter. "Verschleierung ist eine Entmenschlichung", sagt sie.

Die Sätze, die sie sagt, provozieren, genauso wie Titel und Inhalt ihres jüngsten Buches. "Die verschleierte Gefahr" heißt es, und darin formuliert die gebürtige Mazedonierin, die mit sieben Jahren nach Deutschland kam, eine Kampfansage an alle muslimischen Mütter: Sie selbst habe unter einer strengen Mutter zu leiden gehabt, die ihr vermittelt habe, dass "der weibliche Körper etwas Dreckiges, Unreines" sei, den man verhüllen müsse – und dass sie als muslimische Frau weniger wert sei als ihre männlichen Cousins. Diese "Apartheid der Geschlechter" gelte es zu durchbrechen, sagt sie im KURIER-Gespräch: "Viele Musliminnen sind gefangen in den Strukturen der Gesellschaft, aber sie haben ganz viel Macht" – vor allem die Mütter hätten es in der Hand, etwas zu ändern, meint sie; und das Ablegen des Kopftuchs wäre eben der erste Schritt.

Anerzogener Zwang

Ramadanis Thesenfeuerwerk ist der jüngste Beitrag in der ewig schwelenden Debatte über den Islam und seine Symbolik in Deutschland. Die Autorin selbst sieht sich dabei weniger als Islamkritikerin denn als Feministin: "Wer für die Verhüllung von Frauen eintritt, verrät den Feminismus", schreibt sie – für sie ist klar, dass die Mehrheit der Musliminnen das Kopftuch trägt, weil ihnen der Zwang dazu anerzogen sei. "Nur eine Minderheit trägt es wirklich freiwillig", sagt Ramadani, und diese Minderheit würde sie durch Kopftuch-Verbot nur zu gerne einschränken. "Mir ist die Mehrheit wichtig, die ich damit schütze", sagt sie.

Auch verpflichtende Feminismuskurse für Asylwerberinnen befürwortet sie: "Wir müssen die Frauen erreichen – wenn wir es schaffen, sie aufzuklären, vor allem, was Sexualität angeht, dann wird sich etwas tun. Wenn man sich die westliche Entwicklungsgeschichte anschaut, hat sich erst was getan, als die Frau sich emanzipiert hat", sagt sie. Ohnehin ist es die Selbstermächtigung der Frau, die sich als Hauptargument durch das Buch zieht – illustrieren kann Ramadani das stets mit ihrer eigenen Geschichte: Sie kehrte mit 18 Familie und Religion den Rücken, schloss sich der Gruppe Femen an, demonstrierte dort etwa auch mit bloßen Brüsten für Frauenrechte.

Dass Aussagen und Auftritte der 33-Jährigen, die heute in der Berliner CDU aktiv ist, durchaus umstritten sind, wundert wenig. Mit Markus Lanz etwa lieferte sich die Autorin im TV kürzlich ein durchaus irritierendes Wortgefecht – Kritik an ihrer Person stört Ramadani allerdings kaum; die findet sie "amüsant". Und sie setzt nach: "Immerhin habe ich jede Entscheidung, so falsch sie auch war, selbst getroffen" – genau darum habe sie schließlich auch gekämpft.

Info: Zana Ramadanis Buch "Die verschleierte Gefahr" ist im Europa-Verlag erschienen.