Wolfgang Kubicki will nun doch an die Spitze der FDP

Neben Kubicki kandiert auch NRW-FDP-Vorsitzender Henning Höne.
Session of the lower house of parliament Bundestag

Nach der Schlappe bei der deutschen Bundestagswahl 2025 kam die Frage nach einer Kandidatur für den FDP-Vorsitz schon einmal auf, doch Wolfgang Kubicki war sich sicher: "Dass ich nicht die Zukunft der Partei bin, das weiß ich selbst." Zwei herbe Wahlniederlagen der Liberalen später beantwortet der 74-Jährige die Frage anders: "Ich kandidiere", schrieb Kubicki bei X.

Der Mann, der als FDP-Vize seine eigene Partei wie auch die politischen Gegner oft mit beißender Kritik vor sich hertrieb, will nun doch selbst ans Ruder. "Ich will eine Partei, die mit neuem Selbstbewusstsein die politischen Debatten in diesem Land anführt, statt ihnen hinterherzulaufen", schrieb Kubicki.

"Deutschland wartet nicht auf eine FDP, die sich in akademischen Diskussionen verzettelt, sondern auf eine, die dieses Land groß gemacht hat: klar im politischen Inhalt und ebenso klar in der Sprache. Für die Freiheit. Deshalb werde ich den Delegierten meiner Partei im Mai ein Angebot machen, bei dem sie sicher sein können: Ich werde alles tun, die Partei wieder erfolgreich zu machen." Ähnlich äußerte er sich in der "Bild am Sonntag".

Wer nun für die FDP-Spitze kandidiert

Damit sind nun zwei Kandidaturen für den Vorsitz der Liberalen bekannt: Angesichts der Kandidatur von FDP-Vize Kubicki für den Bundesvorsitz zieht der amtierende Parteichef Christian Dürr seine eigene Bewerbung zurück. Eine Parteisprecherin bestätigte der Deutschen Presse-Agentur einen entsprechenden Bericht der "Bild".

"Ich habe keinen Zweifel daran, dass die FDP wieder erfolgreich sein wird", erklärte Dürr am Ostersonntag. "Die Voraussetzung ist eine geschlossene Formation. Ich leiste meinen Beitrag dazu, unterstütze Wolfgang Kubicki und werde nicht antreten."

Dürr fügte hinzu: "Ich will vor allem, dass unser Land wieder nach vorne kommt. Dafür braucht es eine starke FDP mit klaren Positionen für Marktwirtschaft und Freiheit. Wolfgang hat das Zeug dazu, das zu schaffen."

Daneben hat der nordrhein-westfälische FDP-Landes- und Fraktionsvorsitzende Henning Höne (39) eine Kandidatur angekündigt. Zwischenzeitlich hatte sich die Verteidigungsexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann zu einer Doppelspitze bereit erklärt, unterstützte dann aber Hönes Einzelbewerbung. Höne bekräftigte am Sonntag auf X: "Mein Angebot an die Partei bleibt bestehen: Die FDP braucht einen Neustart." Er freue sich auf den Wettbewerb mit Kubicki.

Was bisher geschah

Eigentlich hatte der frühere Bundestagsvizepräsident 2025 für den Fall des Scheiterns der FDP bei der Bundestagswahl schon einmal seinen Rückzug aus der Politik angekündigt. Er sagte: "Ja, dann ist für mich politisch Schluss, denn ich werde in der nächsten Woche 73 Jahre alt." Dann überlegte er es sich über Nacht anders. Viele hätten ihn zum Bleiben gedrängt, sagte er damals.

Dass er auch seine Meinung über die Kandidatur zum Vorsitzenden änderte, dürfte mit der desolaten Lage seiner Partei zu tun haben. Im März flogen die Liberalen in ihrem Stammland Baden-Württemberg aus dem Landtag: "Das ist der wohl bitterste Tag meines politischen Lebens mit über 50 Jahren FDP-Mitgliedschaft", sagte Kubicki damals dem "Tagesspiegel". Zwei Wochen später folgte das nächste Desaster für die FDP in Rheinland-Pfalz.

Für die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin im September sieht Kubicki derzeit so schwarz, dass er sich auf eine riskante Wette einließ: "Wenn die FDP in Sachsen‐Anhalt oder anderswo im Osten über fünf Prozent kommt und in den Landtag einzieht, lasse ich mir die Haare abschneiden", sagte er dem "Stern".

Wofür Kubicki steht

Mit markanten Zitaten erregte der in Braunschweig geborene Jurist, der schon mit 19 in die FDP eintrat, über die Jahre immer wieder Aufmerksamkeit. "Liberale müssen immer die Stahlbürste in der Hand führen, mit der sie gegen den Strich gehen", schrieb er in seinem Buch "Aufwind im Freien Fall", das 2025 erschien.

Während der Zeit der Ampel-Koalition mit SPD und Grünen - auch damals fuhren die Liberalen schon schlechte Wahl- und Umfrageergebnisse ein - trieb er die eigene Partei immer wieder an. "So kann es nicht weitergehen", sagte Kubicki der "Bild" nach dem schlechten Abschneiden in Hessen und Bayern.

Immer häufiger zeigte er sich unzufrieden mit der Ampel, etwa mit dem Vollzug des angekündigten Atomausstiegs. Nach dem Bruch der Koalition folgte in seinem Buch die Abrechnung, vor allem mit den Grünen. Die "feministische Außenpolitik" von Annalena Baerbock zerriss er, Robert Habeck betitelte er als "unfähigsten Wirtschaftsminister aller Zeiten".

Was Kubicki will

Seiner eigenen Partei riet Kubicki in dem Buch: "Es darf keine Scheu vor Zuspitzung geben, keine Sorge, dass man des Populismus geziehen wird." Die Freien Demokraten dürften sich "nicht zu fein sein, in Wählersegmente vorzudringen, die wir vorher liegengelassen haben".

Dem Land bescheinigte er "infrastrukturell kaputt, zu feist und international nicht mehr satisfaktionsfähig" zu sein. Er beklagte angebliche Einschränkungen der Meinungsfreiheit, angebliches Versagen in der Corona- und der Migrationspolitik. Kubicki selbst vertritt bei Migration eine restriktive Linie. Im Februar 2025 sagte er über Integrationsbemühungen: "Wir brauchen keine jungen Männer aus arabischen Räumen und aus Afghanistan, die genau das nicht wollen". Er warnt davor, die rund 20 Prozent AfD-Wähler auszugrenzen.

Kubicki lag allerdings mit eigenen Prognosen auch nicht immer richtig. Noch im Dezember 2024, also nach dem Bruch der Ampel, sagte er im "Stern" über das erwartete Ergebnis seiner Partei bei der Neuwahl: "Wir werden zweistellig." Es wurden 4,3 Prozent.

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