Entschlossen, unnachgiebig, beim Anpeilen seiner Ziele rücksichtlos: Machtpolitiker Wladimir Putin am Montag beim Besuch der russischen Militärübungen

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Porträt
03/06/2014

Wladimir Putin: Der Mann, der sich nimmt, was er will

Ein harter Machtpolitiker, der genau kalkuliert und keine Skrupel kennt: Der Kremlchef will Russland wieder zu alter Stärke führen.

von Ingrid Steiner-Gashi, Ulrike Botzenhart

Die Figur des Wladimir Putin wird oft als die eines eiskalten Mannes des kommunistischen Geheimdienstes KGB gezeichnet. Ein Klischee? "Nein", sagt ein hochrangiger Diplomat, der nicht namentlich genannt werden möchte. Er kennt den Kreml-Chef auch abseits des offiziellen Parketts: "Putin ist, wie man sich einen klassischen KGBler vorstellt. Er ist eine Mischung aus eiskalt, und dann plötzlich blitzt doch einer Spur von Charme auf. Aber hinter der meist gelangweilt wirkenden Fassade steckt Stahl." Wenn Putin selten, aber doch lache, sei er nicht unsympathisch.

Und was ist von Russlands mächtigstem Mann jetzt in Sachen Ukraine zu erwarten? "Putin ist ein guter Pokerspieler – und er weiß ganz genau, was er riskieren kann und was nicht." Der Kreml-Chef ist absolut sicher, dass US-Präsident Obama keinen Krieg riskieren wird. Und auch von Europa befürchtet der Russe nichts.

Leitmotiv seines politischen Handelns, so die Analyse von Politprofis, ist die historische Demütigung Russlands. Und Putin rächt sich. Für den Zusammenbruch des Ostblocks vor 25 Jahren. Für den Zerfall der Sowjetunion. Für den lautstarken Triumph des Westens über den Sieg des Kapitalismus über den Kommunismus. Und über die Kränkung, dass die USA die alleinig verbliebene Supermacht sind. Putin, der im Geist des Kalten Krieges aufwuchs, reagierte darauf. Als er nach dem Abgang Boris Jelzins im Jahr 2000 die Macht übernahm, dirigierte er Russland Stück für Stück wieder in Richtung eines autoritären Regimes um. "Selbst am Anfang, als er sich seiner Rolle im eigenen Land noch nicht so sicher war, wusste er stets ganz genau, was er wollte: Und das war zunächst ein europäischer Wirtschaftsraum zwischen Europa und Russland – zu dem es ja bekanntlich nie gekommen ist", schildert ein weiterer österreichischer Beobachter, der Putin viele Male getroffen hat. "Bei allen Verhandlungen ist er stets hervorragend vorbereitet, antwortet immer blitzschnell und klar. Er hat seine Vorstellungen und daran lässt er nie Zweifel aufkommen: Er will Russland wieder zu alter Stärke führen."

Die Krim im Handstreich zu erobern, mit einem Pokerface offensichtlich russische Truppen als Selbstverteidigungskräfte zu verharmlosen – all dies tut Putin, weil er es tun kann. "Er nutzt die Schwächen der EU und der USA aus. Er ist mehr als ein Realist, er ist ein harter Machtpolitiker."

Block-Denker

Nach wie vor denkt der 61-jährige Putin in Blöcken, in Ost und West. Für ihn ist ein Staat nicht erfolgreich, wenn die Menschen in Wohlstand leben. Erfolg bedeutet vielmehr, wie viel Einfluss und Macht ein Staat über seine Grenzen hinaus ausübt. Und dabei hat Russland aus Sicht des Kremlherren noch viel nachzuholen.

Ohne Putin geht nichts

Das zeigt sich nicht nur jetzt in der Ukraine und zuvor schon in Georgien, in Moldau oder im Südkaukasus. Auch in den großen Konflikten der Welt spielt Russland stets den sperrigen Widerpart zum Westen. Sei es im Nahen Osten, im Iran-Konflikt oder in Syriens Bürgerkrieg. Ohne Russland und damit letztlich ohne Putin geht nichts mehr. Eine Haltung, die dem konservativen und als extrem diszipliniert geltenden Staatschef stets absolute Kontrolle abverlangt. Über Freunde, Verbündete, über sich selbst.

Selbst beim Skifahren in Österreich, so schildern es Bekannte, die mit ihm die Hänge runterwedelten, sei er zwar gut drauf, aber bestenfalls "relativ locker. Er ist irgendwie immer wie in einem Wettkampf."

Wie mächtig Putin ist und wie lang sein Arm reicht, zeigt sich auch daran, dass sich keiner der vielen KURIER-Gesprächspartner namentlich zitieren lassen will. Was die Welt von dem nur 1,70 Meter großen Putin sehen soll, ist ein sorgsam choreografiertes Bild: vom gestählten Sportler, vom Jäger, vom echten Macho, vom Mächtigsten aller Russen. Nur einmal, im Vorjahr, gestattete der Vater zweier erwachsener Töchter einen winzigen Einblick in Privates: Er gab die Scheidung von seiner Frau Ljudmila bekannt. Dass die ehemalige Turnerin Alina Kabajewa die neue Frau an seiner Seite sein und ihm zwei Kinder geboren haben soll, hat bisher nur eine einzige russische Zeitung geschrieben. Und die wurde Tags darauf geschlossen.
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