Politik | Ausland
28.09.2016

Wie Trump-Anhänger Umfragen manipulierten

Donald Trump © Bild: APA/AFP/JEWEL SAMAD

Trump sieht sich als Sieger des TV-Duells. Doch die Online-Umfragen, auf die er sich stützt, sind generalstabsmäßig manipuliert.

Es lief am Monagabend nicht ganz so, wie Donald Trump sich das vorgestellt hatte. Nach dem TV-Duell mit Hillary Clinton wirkte er ungewohnt gereizt, auch wenn er es zu kaschieren versuchte. Clinton hatte selbst keine gute Figur abgegeben, aber einige wirkungsvolle Treffer gelandet. Für die Medien jedenfalls war sie die Siegerin des Abends.

Aber Trumps Laune besserte sich, als die Medien die Ergebnisse ihrer User-Umfragen zum Ausgang des Duells veröffentlichten. Beim Finanznachrichtensender CNBC etwa sahen 61 Prozent der Befragten Trump als Sieger. Grund genug für einen Tweet.

Und nicht nur CNBC, in den kommenden Stunden zeigte eine bemerkenswerte Zahl von Online-Umfragen bei namhaften Medien ein klares Votum für den exzentrischen Milliardär, der das genüsslich auszuschlachten wusste. Einmal mehr schien es so, als hätten die Medienbonzen in ihren Elfenbeintürmen nicht verstanden, was die ganz normalen Menschen wirklich denken.

Doch vieles spricht gegen Trumps Interpretation. Zum einen handelte es sich bei den meisten Umfragen um einfache Online-Abstimmungen. Jeder kann daran teilnehmen. Das Feld der Befragten ist daher selten repräsentativ, die Methode vollkommen unwissenschaftlich und die Ergebnisse meist falsch. Zum anderen zeigen Blitzumfragen, die von anerkannten Instituten durchgeführt wurden, ein gedrehtes Bild. Das Institut Public Policy Polling (PPP) sah nicht Donald Trump als Sieger des Duells, sondern Hillary Clinton mit 51 zu 40 Prozent. Eine Umfrage von CNN/ORC kam sogar auf 62 zu 27 Prozent.

Trotzdem scheint Donald Trump in den Online-Umfragen als Sieger auf. Nicht nur vereinzelt, sondern flächendeckend. Warum?

Es kann sich nicht nur um ein paar übermotivierte Trump-Anhänger gehandelt haben, die die Befragungen verfälschten. Tatsächlich dürfte der Großteil der Trump Stimmen von zwei verschiedenen Orten im Internet ausgegangen sein: der Forenplattform Reddit und dem berüchtigten Forum 4chan, wie die Webseite The Daily Dot berichtet.

Der Generalstab tagt auf 4chan

Auf Reddit sammelten User im wichtigsten Trump-Fanforum der Seite penibel Links zu den Online-Befragungen der Medien. Auf 4chan posteten die anonymen Nutzer zusätzlich Tipps, wie man die jeweiligen Sicherheitmechanismen umgehen und mehrmals abstimmen konnte. Dass ihre Aktivitäten maßgeblich zu den Umfrageergebnissen beigetragen haben könnten, legen die Nutzungszahlen nahe. Geschätzte 200.000 User haben alleine den Trump-Kanal auf Reddit abonniert. Innerhalb kürzester Zeit etablierte sich zusätzlich der Hashtag #TrumpWon. Trumps Anhänger sind nicht nur in Foren, sondern auch auf Twitter erstaunlich aktiv. Hillary Clintons Fans dürften beim Verfälschen von Abstimmungen, falls sie es überhaupt versucht haben, offenkundig weniger versiert sein.

© Bild: Screenshot

Die Aktion ist jedenfalls ein Beispiel dafür, wie kleine Aktivisten-Communitys im Web mit einfachen Mitteln die Wahrnehmung politischer Ereignisse manipulieren könnten, wobei das Verfälschen von Onlineabstimmungen ein alter Hut ist. 4chan, das Hauptquartier der Internet-Trollerei, ist nicht nur bekannt dafür, die Hackergruppe Anonymous und zahllose berühmte Memes hervorgebracht, sondern auch die Kunst der Umfragen-Manipulation perfektioniert zu haben. Für die User des Forums ist es mittlerweile schon fröhliche Tradition, die jährlichen Abstimmungen zur Person des Jahres auf der Website des Time Magazine ad absurdum zu führen. Ihren größten Erfolg feierten sie im Jahr 2012, damals gewann der nordkoreanische Diktator Kim Jong Un die Wahl.