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Politik Ausland
03/27/2021

Wie das Mammutprojekt Suezkanal entstanden ist

Der Kanal, der im 19. Jahrhundert gebaut wurde, spielt mehr als 150 Jahre später immer noch eine maßgebliche Rolle im internationalen Handel.

Ferdinand de Lesseps (1805–1894) war Karrierediplomat. Von Natur aus war er vor allem ein neugieriger Draufgänger. Besonders die Kulturen des Nahen Osten hatten es dem welthandelsaffinen Franzosen angetan.

Als Lesseps als junger Diplomat in den 1830ern in Tunesien und Ägypten stationiert war, freundete er sich mit Mohammed Said Pasha an, dem Sohn des damaligen Vizekönigs von Ägypten. Als dieser 1854 selbst Vizekönig wurde, zog es den mittlerweile  pensionierten französischen Diplomaten zurück nach Kairo. Mit im Gepäck: eine Idee, deren Umsetzung auch  150 Jahre später noch eine entscheidende Rolle in der Weltwirtschaft  spielt: die Verkürzung der Handelsroute zwischen Europa und Asien durch einen Kanal.

Lesseps war inspiriert von Napoleon (1769–1821), der  einst seine Pläne für einen ähnlichen Kanal allerdings aufgegeben hatte. Der Plan war es, eine Route zu schaffen, die es großen Schiffen auf dem Weg nach Osten ermöglicht, direkt vom Mittelmeer zum Roten Meer zu gelangen und sich damit den langen und monsunanfälligen Weg rund um Afrika zu ersparen.

Expertise eines Österreichers

Doch stützen konnte sich der Franzose Lesseps vor allem auf die Expertise eines Österreichers. Der Tiroler Alois Negrelli (1799–1858) hatte sich seit Jahren mit der Vision beschäftigt. Als Said das OK für das Mammutprojekt gab, lud Lesseps den Österreicher und andere Experten ein, an den Plänen für das Projekt zu arbeiten.

1859 wurde schließlich nach langer Planung der Bau begonnen. Alois Negrelli erlebte das nicht mehr, er war zu diesem Zeitpunkt bereits tot.

Prestige und Geldquelle

Zehn Jahre sollte es von diesem Tag an noch dauern, bis das fertige Projekt am 17. November 1869 eröffnet wurde. Doch die Freude und der Stolz der Ägypter auf ihr Prestigeobjekt  wuchsen in dieser Zeit nur. Rund 5.000 Ehrengäste aus aller Welt wurden zum Eröffnungsball geladen, das Feuerwerk konnten auch weniger betuchte Ägypter mitverfolgen.

Immerhin war es zu dieser Zeit das größte Projekt des weltwirtschaftlichen Schiffsverkehrs – und eine technische Meisterleistung.

Bedeutung besteht weiter

Und die Bedeutung sollte auch nach knapp 150 Jahren weiterbestehen. Immer noch stellt der Suezkanal die kürzeste Seeverbindung zwischen Europa und Asien dar. Im Schnitt durchqueren (bis zur Blockade in der Nacht auf Mittwoch) 51 Schiffe pro Tag den 193 Kilometer langen Kanal.

Für Ägypten ist er also weit mehr als nur Prestige, er bedeutet vor allem (normalerweise) krisensichere Einkünfte. Jede Passage bringt 200.000 bis 450.000 Euro Gebühren für die Kanalgesellschaft. Die durch den Kanal erwirtschafteten Milliarden (2020 waren es 4,76 Mrd. Euro) nehmen den drittgrößten Teil der ägyptischen Staatseinnahmen ein.

Doch der Suezkanal hat nicht nur eine zentrale Bedeutung für die ägyptischen Staatseinnahmen, sondern auch für die Versorgung der europäischen Länder – unter anderem mit Öl und Gas. Hier werden rund 13 Prozent des internationalen Handels abgewickelt, heißt es bei der Kanalbehörde.

Im Jahr 2019 haben 18.880 Schiffe mit einer Fracht von 1.031 Millionen Tonnen das Nadelöhr zwischen Festland-Ägypten und der ägyptischen Sinai-Halbinsel passiert. Sie fahren im genau getakteten Konvoi in den Kanal ein – geführt von Lotsen.

Lotse am Suezkanal zu sein war einst eine weltweit schwerst nachgefragte Berufung, nur wenige Fachkräfte hatten das nötige Know-how. Wich man auch nur ein paar Sekunden vom Plan ab, konnte das eine folgenreiche Blockade nach sich ziehen. Als sich Präsident Nasser 1956 mit der Verstaatlichung der Kanalgesellschaft auf einen Konflikt mit Großbritannien, Frankreich und Israel einließ, verlor er rund 30 der 200 jahrelang geschulten Lotsen britischer und französischer Herkunft. Ein schwerer Verlust. Auch heute noch sind für jede Durchfahrt vier Lotsen zuständig.

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