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Politik Ausland
02/01/2021

Wenn die Ampel auf Gelb umschaltet: Italien öffnet Restaurants, Cafés und Museen

Die Beschränkungen wurden ein bisschen gelockert, obwohl der Inzidenzwert höher ist als anderswo – viele Menschen zog es gleich in die Zentren.

Aus Mailand Andrea Affaticati

Während des ersten Lockdowns hatten sich die Italiener wie Musterschüler verhalten. Jetzt, wo in Teilen des Landes gelockert wurde, sind die Menschen kaum zu halten. Fünfzehn von zwanzig Regionen, darunter die Lombardei und Venetien, gehören seit Sonntag zu gelben Zonen: Das Risiko einer Ansteckung ist laut italienischem Ampelsystem gering. Und das, obwohl die Zahl der Infektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche am Montag in Italien mit 142,6 angegeben wird – in Österreich liegt sie aktuell bei 105.

Dennoch dürfen in den gelben Zonen Italiens nun Restaurants und Cafés bis 18 Uhr wieder am Tisch servieren und die Museen von Montag bis Freitag öffnen. Was die Geschäfte betrifft, ändert sich die Lage nur für die Regionen, die von Rot auf Orange gewechselt haben und dort wieder aufsperren können (Südtirol, Umbrien, Apulien sowie die Inseln Sardinien und Sizilien).

In den gelben Zonen, wo Sport- und Schwimmhallen, Theater, Konzertsäle und Kinos weiter zu sind, darf man sich wieder frei zwischen den Gemeinden der eigenen Region bewegen, diese aber nur verlassen, wenn man in einer anderen ein Ferienhaus besitzt. Das trifft die Hoteliers in Venedig, Florenz, Rom besonders hart. Der Verband Federalberghi ließ nun wissen, dass ein Drittel der Hotels in Rom nicht mehr öffnen wird.

Aufatmen dagegen bei Betreibern von Cafés, Restaurants und Schönheitssalons, die in der gelben Zone öffnen dürfen – wenngleich ihre Freude gedämpft ist: Noch am Sonntagabend, einen Tag bevor die Lockerungen in Kraft traten, zeigte das Fernsehen Bilder von Menschenmassen, die durch die Shoppingstraßen und Szeneviertel zogen.

„Die haben die Gefahr noch immer nicht kapiert“, regt sich Barmann Stefano auf. „Warum mussten die alle in der Galleria, auf dem Corso Vittorio Emanuele sein? Ja, wir haben seit Monaten Ausgangsbeschränkungen, aber wir sind doch nicht hinter Gittern gesessen? Wenn das so weiter geht, sind wir in zwei Wochen wieder in der roten Zone.“

Gefahr ist nicht gebannt

Dabei hatte sich Gesundheitsminister Roberto Speranza zuletzt immer wieder mahnend an die Bevölkerung gerichtet: Gelb bedeute nicht, die Gefahr sei gebannt. Doch am Sonntag blieb er zum Großteil ungehört.

„Wenn die Politik grünes, beziehungsweise gelbes Licht gibt, kann ich verstehen, dass die Menschen nach fast einem Jahr Ausgangsbeschränkungen die Gelegenheit wahrnehmen, sich wieder etwas freier zu bewegen “, sagt Paolo Bianchini, Vorsitzender des Gaststättenverbands MIO Italia, im Gespräch mit dem KURIER. „Was ich nicht verstehe, ist, warum sich die Menschen durch die Shopping-Center und Einkaufsstraßen drängen dürfen, den Gaststätten aber nicht die Möglichkeit gegeben wird, mit den nötigen Sicherheitsvorkehrungen, normal zu arbeiten.“

Es sei nicht nachvollziehbar, dass man zu Mittag im Restaurant sitzen darf, aber ab 18 Uhr nicht mehr. „Soweit ich weiß, hat die Wissenschaft noch nicht bewiesen, dass das Virus erst ab 18 Uhr wieder im Umlauf ist.“

Andrea Affaticati, Mailand

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