Politik | Ausland
17.11.2017

Kohle: Globale Allianz gegen den "Klimakiller"

Deutschland gehört nicht zum Bündnis.

Die einen beten für den Klimaschutz, wie eine Gruppe evangelikaler Christen in ihrem Pavillon, die anderen kapern medienwirksam gleich einen Kohlefrachter. Die Weltklimakonferenz in Bonn bietet alles, was man sich von einer solchen Veranstaltung erwartet. Auch Auftritte von Politikern, die sich Umweltschutz gerne an die Fahnen heften, bei der Umsetzung aber zaudern.

Angela Merkel bot am Mittwoch ein Paradebeispiel, als sie zwar vom Klimawandel als "Schicksalsfrage" sprach, aber keine Aussage zum Kohleausstieg traf.

Österreich macht mit

Das erhoffte Signal kam gestern von einer anderen Front: gleich mehrere Staaten verpflichteten sich zum Kohleausstieg – auch Österreich schloss sich der "Global Alliance to Power Past Coal" an. Das Bündnis, ausgehend von Briten und Kanadiern, will dem Pariser Abkommen einen "Push" geben. Um dessen Ziel (Erderwärmung auf unter zwei Grad senken) zu erreichen, müssten die Industriestaaten bis 2030, der Rest der Welt bis 2050 aus der Kohleverstromung aussteigen.

Auch Österreich will raus, bekräftige Landwirtschafts- und Umweltminister Andrä Rupprechter (ÖVP). Das letzte heimische Kohlekraftwerk Dürnrohr (NÖ) soll 2025 abgedreht werden, machbar wäre das schon 2020, sagt der Minister und verweist auf Gespräche mit den Betreibern.

Dass Deutschland weiterhin auf Kohle setzt und aus den Sondierungsgesprächen bisher kein anderes Zeichen kam, ortet er als "massives Problem" – vor allem, dass die Grünen bereit sind, " ihre ureigensten Positionen aufzugeben".

Ähnlich kritisch sieht es Ann-Kathrin Schneider, Klimapolitikexpertin beim BUND, im KURIER-Gespräch. Sie erwartet von den Unterhändlern, dass sie sich entscheiden, die Kraftwerke, die älter als 30 Jahre sind, bis 2020 stillzulegen. "Das muss in einem Koalitionsvertrag verankert sein." Die Abschaltung der Kohlekraftwerke müsse in den nächsten drei Jahren geschehen, da Deutschland sonst seine Klimaschutzziele verpasst. Die Lücke von 120 Mio. Tonnen CO2, die es zwischen den bisher vereinbarten Maßnahmen und den Zielen gebe, müsse geschlossen werden – das geht nur, indem man die Kraftwerke abdreht, ist Schneider überzeugt. Um dennoch nicht zig Arbeitslose zu verursachen, wie etwa bei den Schließungen in England der 1970er, brauchen die Regionen Hilfe, erklärt die Expertin.