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Politik Ausland
06/14/2021

Wegen Delta-Variante: Briten müssen „Tag der Freiheit“ verschieben

Die sich rasch ausbreitende indische Variante erzwingt eine Verlängerung der Schutzmaßnahmen. Premier Johnson unter Druck.

von Georg Szalai

Am Sonntag herrschte in England  dank des siegreichen Starts in die Fußball-EM noch Euphorie. Dann kam die kalte Dusche.  Premier Boris Johnson machte sich dazu bereit, es am Montagabend offiziell zu machen: Die Corona-Maßnahmen im größten Landesteil Großbritanniens müssen wegen der rasanten Ausbreitung der Delta-Variante bis 19. Juli in die Verlängerung gehen.

Bisher sollten am 21. Juni alle Beschränkungen in England fallen. Zeitungen freuten sich auf den „Freedom Day“, den „Tag der Freiheit“. Daraus wurde nichts. Weiterhin bleiben etwa Nachtklubs geschlossen und Limits bei sozialen Treffen sowie in Kultur, Sport und Gastronomie bestehen.
 

So bleiben etwa Nachtklubs geschlossen und Limits bei sozialen Treffen sowie in Kultur, Sport und Gastronomie bestehen.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, scheint Johnsons Botschaft zu sein. Denn Medien betonten, er werde die Verschiebung als Schlussoffensive gegen das Virus beschreiben, auch wenn es keine Garantie gäbe, dass es zu keinen weiteren Spielplan-Änderungen komme.

Obwohl die Briten als Impf-Europameister gelten und bereits mehr als 56 Prozent aller Erwachsenen voll geimpft sind, verzeichnet das Land wegen der ansteckenderen Delta-Mutation, die 90 Prozent der Neuinfektionen ausmacht, jetzt täglich so viele Corona-Fälle wie zuletzt im Februar. Am Sonntag zeigten Daten 50.017 Fälle aus der Vorwoche, ein Anstieg von 49 Prozent, und 64 Tote. Die Sieben-Tages-Inzidenz liegt wieder bei 65. Experten warnen seit zwei Wochen vor einer neuen Corona-Welle, die verstärkt ungeimpfte Jüngere trifft. Die Lage sei „sehr besorgniserregend“, hatte Johnson am Samstag zugegeben.

Sein Ziel: mehr Leute zu impfen, um so einen Anstieg bei Spitalseinweisungen abzubremsen, damit die Öffnung, wie versprochen, „unumkehrbar“ bleibe. Beim derzeitigen Tempo könnten laut eines Ministers zehn Millionen zusätzliche Zweit-Impfungen, die bei der Delta-Variante als besonders wichtig gelten, verteilt werden; etwa die Hälfte davon wäre dann bis zum neuen „Tag der Freiheit“ am 19. Juli wirksam. Experten schätzen, dass die Verschiebung „Tausende“ Krankenhausaufenthalte verhindern könne, weil doppelt Geimpfte nur fünf Prozent der Spitalsfälle ausmachen.

Um die Verzögerung in England Lockdown-Kritikern im eigenen konservativen Tory-Lager schmackhafter zu machen, wird erwartet, dass sich Johnson zu einer Überprüfung der Trends nach zwei Wochen verpflichtet. Als weiteres Zuckerl könnten Restriktionen für Hochzeiten und große Sport- sowie Kultur-Events im Freien, wie etwa die EM, gelockert werden.

Rechtliche Schritte

Aber so mancher Tory-Rebell im Unterhaus zeigte Johnson zu Wochenbeginn die Gelbe Karte. So warnte etwa Steve Baker vor „verheerenden Folgen“ für Unternehmen und die psychische Gesundheit. Buh-Rufe gab es auch von der Wirtschaft; der Verband der Nachtgastronomie drohte sogar rechtliche Schritte an.

Laut einer Umfrage sind 54 Prozent der Bevölkerung für die Verschiebung; vor zwei Wochen waren es 43 Prozent gewesen. Die oppositionelle Labour Partei dürfte die Verlängerung der Restriktionen unterstützen, ihr Chef Keir Starmer gab Johnsons „Amateurfehlern“ die Schuld am Einschleppen der in Indien entdeckten Delta-Variante und stellte seine „erbärmliche“ Grenzpolitik als Eigentor dar. Denn als sich dort eine Infektionswelle abzeichnete, wartete die Regierung bis 23. April, Indien auf die Liste der Länder zu setzen, aus denen Einreisende in Hotel-Quarantäne müssen.

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