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Politik Ausland
01/13/2022

Warum es 2021 die wenigsten Piraten-Überfälle seit 28 Jahren gab

Ein Bericht zeigt, dass die Weltmeere im vergangenen Jahr sicherer wurden – doch der Schein trügt. Wie Schiffe sich schützen können.

von Johannes Arends

Für einen Tag Pirat sein – welches Kind würde sich das nicht wünschen? Die Unterhaltungsindustrie hat vielen die Angst vor Seeräubern nachhaltig genommen. Mit echten, modernen Piraten würde wohl kein Kind tauschen wollen: Sie sind meist völlig verarmt, auf einfachen Schlauchbooten unterwegs und statt vom Streben nach Freiheit von absoluter Perspektivlosigkeit angetrieben.

„Die Hotspots der heutigen Piraterie sind allesamt höchst instabile Regionen“, erklärt Maximilian Burger-Scheidlin, Geschäftsführer der österreichischen Vertretung der Internationalen Handelskammer (ICC), dem KURIER. „Die Menschen dort kommen auf alle möglichen Ideen, um an Geld zu gelangen, weil sie sonst keine Chance haben.“

NIGERIA-US-EUROPE-AFRICA-DEFENCE-MARITIME

Trotzdem stellen Piraten für internationale Handelsschiffe immer noch eine große Gefahr dar. Das internationale Schifffahrtsbüro der ICC veröffentlichte am Donnerstag einen Bericht, wonach es 2021 im Schnitt alle drei Tage zu einem Angriff durch Piraten kam. Das mag häufig erscheinen, doch es sind die niedrigsten Zahlen seit 1994 – 2020 war noch an jedem zweiten Tag ein Schiff angegriffen worden.

Doch die Bedrohung durch Piraten ist in den meisten Regionen nach wie vor gleich groß geblieben.

Der starke Rückgang der gemeldeten Vorfälle liegt vor allem daran, dass die Zahl der Überfälle am internationalen Piraterie-Brennpunkt, dem Golf von Guinea, von 81 auf 34 gesunken ist. Das liege vor allem an der erfolgreichen Zusammenarbeit der regionalen Behörden mit internationalen Marineschiffen, heißt es.

Trotzdem bleibt der Golf von Guinea für Handelsschiffe die gefährlichste Region der Welt. Zwar kam es anderswo inzwischen zu mehr Angriffen, allerdings wurden nirgendwo sonst im vergangenen Jahr Menschen entführt. Im Golf von Guinea waren es alleine 57 Besatzungsmitglieder.

Sieht man sich die Zahlen im Detail an, so wird klar, dass Piraten trotz der meist schlechten Ausrüstung enorm erfolgreich sind: Bei den 132 Angriffen im Vorjahr gelangten die Täter in 88 Prozent der Fälle an Bord.

Wie schützt man sich?

„In Wahrheit will kein Kapitän eines Frachters je Gewalt ausüben“, sagt Burger-Scheidlin. „Die würden also viel dafür tun, dass sie kein einziges Gewehr an Bord mitführen müssen.“ Weil schnellere Schiffe schwieriger zu kapern sind, seien die meisten Frachter deshalb heutzutage deutlich flotter unterwegs als früher. Doch eine höhere Geschwindigkeit bedeutet auch einen höheren Treibstoffverbrauch – und das geht ins Geld.

Manche modernen Schiffe würden deshalb auf Hochstrahl-Wasserpumpen setzen, um enternde Piraten von den Leitern zu spülen. Seltener werden auch bewaffnete Söldnertruppen zum Schutz der Besatzung angeheuert.

Im Endeffekt sei das aber alles „Symptombekämpfung“, meint Burger-Scheidlin. „Und das ist langfristig nicht sinnvoll. Das Einzige, was langfristig wirklich gegen Piraten hilft, ist der Kampf gegen Korruption in ihren Herkunftsländern.“ Denn, das ist heutzutage klar, kaum jemand entscheidet sich freiwillig für das Leben als Pirat.

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